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Expeditionsbericht

Eine Kiste, ein Schiff und eine lange Reise über den Atlantik

Dass wir das noch erleben dürfen! In diesen Minuten werkeln emsige Gestalten in Anchorage/Alaska daran, unsere Ausrüstungskiste auf einen Lastwagen zu laden und zum Hafen zu bringen. Anschließend reist unsere Frachtkiste einmal um die halbe Welt, um Ende November hoffentlich unbeschadet in Deutschland anzukommen. Bis es jetzt endlich losgehen konnte, war es allerdings erneut ein Kampf mit der Bürokratie.

Wie Ihr euch erinnert, hatten wir unsere Ausrüstung wie Peli-Kisten, Zelt, Seile und Rettungswesten Ende August in Anchorage abgegeben. Die Spedition hatte versprochen, sich um alles zu kümmern. Und so zogen wir – etwas ungläubig, aber sehr dankbar – unseres Weges. Doch in den folgenden Wochen zeigte sich, dass sich die Spedition zwar irgendwie um alles kümmerte. Aber plötzlich mit Formularen und Vorschriften aus dem Busch kam, die uns die Zehennägel hochstellten.

Die folgende Odyssee kann man auch zusammenfassen mit Reinhard Meys „Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“.

Die absolute Kurzform: Wir sollten eine EIN-Nummer vorweisen, die aber nach unseren Erkundigungen nur ein US-amerikanisches Unternehmen bekommt. Wir sollten Formular 350 ausfüllen, was aber nur für einen permanenten Umzug aus den USA verwendet werden darf. Auch der deutsche Zoll hat es uns nicht leicht gemacht: Hoher Warenwert, ein Fall für die Gewerbeabteilung! Hoher Warenwert, trotzdem ein Fall für die Privatauskunft! Und warum wir uns nicht auf dem Hinweg Formular 330 haben abstempeln lassen? Antwort: Weil man uns davon trotz Nachfragen niemand erzählt hat.

Falls Ihr also in Eurem Leben noch einmal etwas aus den USA nach Deutschland verschiffen lassen wollt: Es funktioniert mit einer Kopie der Reisepässe, eines „Power of Attorney“, einer Zollerklärung sowie den unterschriebenen Frachtbegleitdokumenten. In Deutschland kann es allerdings auch noch mal lustig werden: Hier müssen wir nachweisen, dass die Güter uns gehören und nicht mehr neuwertig sind. Liebe Beamte, wenn Ihr Euch d i e s e Mengen Yukon-Dreck daran anschaut, sollte sich das Thema erledigt haben, oder?

Außerdem müssen wir nach Eintreffen der Kiste noch eine Zollanmeldung machen, zusammen mit Formular 328. Was das genau bedeutet? Wissen wir nicht im Detail, aber das werden wir auch noch herausfinden. Wir haben die Kiste im Juni irgendwie nach Kanada bekommen, wir sind einmal über den Yukon bis zur Beringsee gepaddelt, jetzt werden wir die letzten Meilen auch noch bewältigen. Problematischer wird vielleicht, dass wir unsere gesammelte Ausrüstung ja nicht völlig trocken der Spedition in Anchorage übergeben konnten. Wir hoffen also, beim Anblick in Deutschland nicht gleich von einer toxischen Wolke von Schimmelpilzen eingehüllt zu werden. Sonst müssen wir wohl die Chemiekeule schwingen…

Das Schiff wird jedenfalls von Alaska aus die Route über den Panama-Kanal über den Atlantik nehmen und soll in etwa sechs Wochen Kiel erreichen. Dort können wir unsere Ausrüstungskiste dann abholen. Den anstehenden unerwarteten Kiel-Trip sehen wir einfach als Gelegenheit, mal wieder etwas Meeresluft zu schnuppern. Und uns einmal wieder an die großartige Zeit zu erinnern, die wir jenseits des Atlantiks erleben durften.

 

FOTO-BASIS: GOOGLE INC.

 

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