Archiv:Expeditionsbericht

Mit ohne Radio am Yukon

Mit ohne Radio am Yukon

Mit einem Weltempfänger kommt die Welt zu uns in die Wildnis. Verspricht zumindest die Anleitung unseres kleinen, silbernen Radios. Ein Weltempfänger? Den brauchen wir am Yukon, sagen wir, sagt unsere innere Stimme. Also landet das vor ewigen Zeiten gekaufte Gerät in unserer Ausrüstungskiste für den Yukon. Wir hoffen auf Wetterinformationen, vielleicht auch mal auf eine andere Stimme in der Wildnis. Auf ein wenig Musik, wenn es zu einsam wird am großen Fluss. An Internet ist ja generell nicht zu denken. Und so soll uns der Weltempfänger einfach mal Bescheid geben, wenn irgendwo wirklich die Welt untergeht. Dafür funkt er auf UKW, Lang-, Mittel- und Kurzwelle. Das sollte doch eigentlich reichen, sagen wir uns, sagt unsere Recherche.

Doch dann kommt der Moment der Wahrheit, irgendwo am Yukon zwischen Kanada und Alaska. Da wollen wir das Radio zum ersten Mal verwenden. Wir regeln am Regler, wir suchen mit dem Suchlauf. Doch der Weltempfänger empfängt die Welt nicht: nur Rauschen. Wir versuchen es einige hundert, dann tausend Flusskilometer später erneut. Doch unser Radio bleibt stumm. Gibt es hier in der Wildnis gerade keinen einzigen Radiosender? Sind wir am falschen Ort, ist unser Gerät zu schlecht? Wir werden es nie ganz herausfinden.

Doch stattdessen empfangen wir am Yukon einfach die Welt ab und zu abends am Lagerfeuer. Da schauen spontan die Natives mit ihren Skiff-Booten und gekühltem Bier auf einen Plausch vorbei. Und haben auch noch Infos über die nahe Bären-Population und die Wetteraussichten. Wer braucht da eigentlich einen Weltempfänger, fragen wir. Niemand, sagen wir.
SYMBOLFOTO: PIXABAY

 
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Das Projekt Bart

Das Projekt Bart

Viele tolle Dinge passieren hier gerade im Yukon-Blog. Zum einen wird es den kleinen Film über die Yukon-Expedition tatsächlich geben. Versprochen! Außerdem bauen wir im Blog fleißig um. Neue Fotos und Geschichten kommen auch noch. Und zur Überbrückung haben wir eine kleine Episode für Euch aus der großartigen Yukon-Zeit. Sie handelt: von unserem persönlichen Projekt Bart.

Yukon: Projekt Bart

Unsere Bärte wachsen und wachsen. Wir fühlen es jeden Morgen beim Aufstehen, wenn wir uns nach einer viel zu kurzen Nacht müde mit den Händen durchs Gesicht fahren. In den ersten Tour-Wochen sieht unsere Bartpracht allerdings noch reichlich ausbaufähig aus. So wie in der Teenagerzeit, als wir uns zum ersten Mal einen Bart stehen ließen. Und die Haare noch nicht so recht wussten, wo sie hinwollten und durften. Doch was bitte ist am Yukon die Alternative zum ungezügelten Bartwachstum? Jeden Abend zum Fluss zu stolzieren, um eine sauber geshavete Drei-Tage-Optik zu erhalten? Das wollen wir nicht, die Zeit haben wir nicht. Deswegen gilt unsere Devise: wachsen lassen, bis die Beringsee kommt.

Unser Bart-Projekt, es beginnt mit dem ersten Paddelschlag ins Yukon-Wasser. Und dann ziehen die Wochen auf dem Fluss ins Land, der Bart wächst langsam und ungleichmäßig. Bei mir mit dunkler Haarfarbe etwas schneller als bei Jan-Philipp mit dunkelblonder. Wir sind ehrlich gesagt froh, dass die einzigen Augenzeugen einstweilen vor allem die Bären und die brennende Sonne Kanadas sind. Und wir selbst haben in dieser Zeit sowieso anderes im Kopf, als uns um die Tageslicht-Tauglichkeit unserer Barthaare Gedanken zu machen.

Der Bart wird zum Störenfried

Wie illusorisch eine regelmäßige Rasur für uns wäre, merken wir täglich aufs Neue. Jede freie Minute inmitten dieser atemberaubenden Natur ist uns zu kostbar, als dass wir sie zur Zähmung widerspenstiger Bartpracht verwenden wollten. Irgendwann folgt jedoch ein heißer und wolkenloser Tag auf einer dieser zigtausenden Inseln inmitten des Yukon. Zu diesem Zeitpunkt sind die Oberlippenbarthaare derart nach vorne geprescht, dass unser Gesicht nicht nur zerzauselt aussieht. Sondern dass wir den Bart beim Sprechen und Essen als Störenfried empfinden.

Und weil wir sowieso auf den Abend warten müssen, bis wir wegen der Tagesstürme loskommen, säbelt die Schere meines Multitool-Werkzeugs den Oberlippenbart wieder etwas kürzer. Die kühne Idee, bei der Gelegenheit nach vier Wochen gleich den gesamten Bart oder die Frisur wieder in Form zu bringen? Wegen mangelnder Fähigkeiten und dem Gleichmut zweier viele Meilen gepaddelter Abenteurer über Bord geworfen.

Immerhin können wir mittlerweile einen regelrechten Vollbart unser Eigen nennen, der uns allein schon bei der Abwehr wilder Tiere hilft. Wilder Tiere namens Moskitos, die morgens und abends schwarmweise den Himmel verdunkeln und deren Lebensbestimmung es zu sein scheint, uns ohne Diskussion deutlich zu machen: eigentlich habt Ihr hier nichts verloren. Doch in einem ruhigen und moskitolosen Moment schauen sich Jan-Philipp und ich unsere inzwischen respektable Gesichtsbräune an und stellen einiges fest. Wir sind gerade nicht einfach nur glücklich. Sondern fühlen uns irgendwie auch sehr männlich. Und so paddeln wir Woche um Woche mit einer Dosis Abenteurerstolz weiter über den Yukon.

Kurz vor der Verwahrlosung

Doch bei jedem Vollbart kommt ohne gelegentlichen größeren Schnitt der Moment, in dem sein Träger endgültig in einen Zustand von Ungepflegtheit und Verwahrlosung übergeht. Dummerweise fällt dieser bei uns mit einer Zeit zusammen, in dem wir erst recht andere Prioritäten haben als ausgedehnte Körperpflege. Schlechter werdendes Wetter, Regen, heftiges Paddelpensum verlangen uns alles ab. So wird der Bart ungestört immer länger und straft im Vorfeld angestellten Berechnungen über den zu erwartenden Bartzuwachs Lügen. Er wächst und wächst und wächst. Bei mir sind mittlerweile blonde Bereiche zu erkennen, die mich angesichts meiner dunkelhaarigen Eltern an meiner biologischen Herkunft zweifeln lassen. Und sogar ein bisschen rot ist dabei.

Als wir schließlich nach zweieinhalb Monaten mit den beginnenden Herbststürmen an der Beringsee ankommen, erzählt unser Bart ohne Worte eine wortreiche Geschichte. Die Geschichte von zwei Mittdreißigern, die glattrasiert und gespannter Erwartung auszogen, den Yukon und Alaska zu entdecken. Und die nun am Ziel ihrer Träume angekommen sind. Unser Vollbart ist nach 65 Tagen auf dem Fluss das erste aller Souvenirs geworden.

Unser Bart wird zum Souvenir

Und was ist aus dem Plan geworden, dem Vollbart nach der Rückkehr in Deutschland mit einem Ritual wieder Lebewohl zu sagen? Er wird sang- und klanglos abgesagt. Und so tragen die beiden Menschen, die nie zuvor Vollbart getragen haben und ihn nur übergangsweise tolerieren wollten, besagten Vollbart bis heute. Und manchmal, wenn wir uns mit den Händen durch die Haare im Gesicht streichen, ist es wieder da, dieses Abenteuergefühl. Aus einer Zeit, in der der Bart mit jedem Tag wuchs, an dem wir Paddelschlag um Paddelschlag weiter in die Wildnis fuhren.

FOTOS: YUKONBLOG.DE

 
 
Yukon-Expeditions-FAQ: Fragen und Antworten

In der ewigen Wildnis.

Yukon-Expeditions-FAQ: Fragen und Antworten

Finde ich überall genug Brennholz, wo sollte ich einkaufen? Was sollte ich bei einer Yukon-Tour auf jeden Fall machen, was auf gar keinen Fall? Bis heute erreichen uns jeden Monat zahlreiche Fragen von Menschen, die ihren eigenen Yukon-Traum mit dem Boot leben wollen.

Wir wollen hier deswegen nach und nach eine FAQ Frequently-Asked-Questions-Rubrik aufbauen. Habt ihr selbst Fragen oder Anmerkungen? Wir freuen uns riesig über Euren Input per E-Mail oder einen der anderen Kontaktwege.

FAQ Yukon-Tour bis zur Beringsee

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FAQ: Wie viel Zeit brauche ich für die Yukon-Tour von Whitehorse bis zur Beringsee?

Antwort: Das hängt von extrem vielen Faktoren ab und lässt sich pauschal nicht beantworten. Wir haben 68 Tage benötigt. Allerdings haben wir richtig Gas gegeben und uns keinen Ruhetag jenseits einiger wetterbedingter Pausen gegönnt. Außerdem hatten wir insgesamt Glück mit dem Wetter. Angesetzt hatten wir 90 Tage inklusive Sicherheitsreserven. Diese Zeit solltet Ihr mindestens einplanen, wenn Ihr es bis zur Beringsee schaffen und die Tour auch etwas genießen wollt. Generell solltet Ihr im Juni nach der Eisschmelze am Lake Laberge loskommen, da die Natur immer launischer wird. der Herbst in Alaska früh einsetzt und die dann einsetzenden Stürme und Regenfälle keine Freude machen. Rechnet bei Eurer Planung damit, dass Ihr wetter- und strömungsbedingt zu Beginn sehr viel schneller vorankommt als in den späteren Yukon-Abschnitten.

Den Verlauf unserer Yukon-Tour könnt Ihr Euch hier auf einer digitalen Inreach-Karte auf Basis eines GPS-Trackings anschauen. (Passwort: y15)

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FAQ: Finde ich auf der gesamten Tour bis zur Beringsee genug Brennholz? Oder sollte ich zusätzlich einen Kocher mitnehmen?

Antwort: Im kanadischen Teil des Yukons haben wir auf den Inseln wenig Probleme gehabt, genug Treibholz für ein ausgedehntes Lagerfeuer zu finden. Allerdings sollte man genug Zeit einplanen, da geeignetes Brennholz teilweise recht verstreut am Ufer oder in der Böschung liegt oder erst noch geschlagen werden muss. Auch später in Alaska haben wir eher wenig Probleme gehabt, genug Holz zu finden. Dennoch haben wir uns aus drei Gründen nie allein darauf verlassen: Zum einen sorgt jeder Niederschlag dafür, dass die Lagerfeuer-Errichtung zu einer langwierigen Angelegenheit oder sogar unmöglich wird. Zum anderen ist man gerade zum Ende der Tour gezwungen, auf sehr wenigen verfügbaren Inseln zu nächtigen. Dort wird es dann doch mal schwieriger mit dem Holz. Und zum dritten können Euch Sturm oder Dauerregen dazu zwingen, einen oder mehrere Tage unfreiwillig an einem Ort kampieren oder sogar im Zelt kochen zu müssen. Letzteres empfehlen wir aber nur im absoluten Notfall; für uns hat sich ansonsten ein Tarp bei schlechtem Wetter sehr bewährt (danke an Patrick für den Hinweis).

Wir sind deswegen mit einem Benzinkocher und mehreren Litern Sprit auf Nummer sicher gegangen. Zum Anzünden des Lagerfeuers haben wir je nach Ort, Lage und Jahreszeit unterschiedliche Dinge gewählt: Trockene Baumrinde wie Birke, trockenes Gras oder andere trockene Pflanzen und sehr kleingeschlagenes trockenes Holz. Für den Notfall hatten wir einige Paraffin-Grillanzünder mit, von denen wir aber im eher trockenen Sommer 2015 nur sehr wenige eingesetzt haben. Axt, Säge und Handschuhe haben sich übrigens als unverzichtbar erwiesen.

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FAQ: Sollte ich meine Nahrungsmittel schon in Whitehorse einkaufen? Und welche Möglichkeiten gibt es im Laufe der Tour, Vorräte aufzustocken?

Antwort:In Whitehorse stehen dem Yukon-Abenteurer mehrere Super- und Baumärkte mit reichhaltiger Auswahl zur Verfügung. Nicht alles entspricht allerdings dem deutschen Geschmack, also solltet Ihr wichtige Dinge wie Müsli vielleicht einmal im Vorfeld probieren. Wir empfehlen beim Thema Müsli übrigens die Marke Alpen, da diese Sorte nicht amerikanisch-überzuckert ist. Hinterher dann selbst mischen mit Haferflocken, Rosinen und Nüssen. Vorsicht auch vor Fertigmahlzeiten: Selbst wenn bekannte Marken wie Knorr oder Maggi auf den Packungen aufgedruckt sind, so ist der Inhalt nicht mit deutschen Fertigmahlzeiten desselben Herstellers zu vergleichen. Im Allgemeinen erwartet Euch aber in Whitehorse ein sehr umfangreiches Angebot, wie Ihr es im Laufe der Tour niemals wiedersehen werdet.

Eine Empfehlung können wir für die Riverside Grocery nahe der SS Klondike aussprechen. Hier ist zwar alles recht teuer, allerdings bekommt man nur hier speziellere Lebensmittel wie Milchpulver, manche Gewürze, Hefe und vieles mehr. Generell könnt Ihr Euch darauf einstellen, dass Ihr es Euch auf Eurer Yukon-Tour zumindest bis Dawson City verhältnismäßig gut gehen lassen könnt. Frühstück mit gebratenem Ei und Speck, Kartoffeln? Wenn überhaupt, dann auf dieser Teilstrecke. Anschließend wird es erheblich schwieriger, an Lebensmittel zu kommen – an frische sowieso. Oft hängt es davon ab, ob man ein bestimmtes Dorf tatsächlich ansteuern kann und ob die Läden geöffnet haben. Und davon, wann die letzte Lebensmittellieferung eingeschwebt ist. Richtet Euch generell auf stetig steigende Preise bei stetig sinkendem Angebot ein. Wir sind mit einem Vorräte-Puffer von zwei Wochen gut gefahren und hatten nie das Gefühl, dass die Versorgungslage bedrohlich wird.

Orte am Yukon mit Einkaufsmöglichkeiten (Angebot von * bis *****)

Whitehorse: ***** Visa
Carmacks: ** Visa
Dawson City: **** Visa
Circle: **
Fort Yukon: *** Visa
Ruby: **
Tanana: ** Visa
Galena: *** Visa
Grayling: *
Holy Cross: *
Emmonak: **

Anmerkungen: Visa = Visa-Kreditkartenzahlung erfolgreich. Aufgelistet sind generell nur Orte, die wir selbst angesteuert haben.

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FAQ: Wieviele Sorgen sollte ich mir vor den Five Finger Rapids machen? Welche Gefahren muss ich allgemein erwarten?

Antwort:Dieses Thema erschöpfend zu beantworten, würde hier sicher den Rahmen sprengen. Allgemein lässt sich aber sagen: Für uns waren die Rapids 2015 kein zentrales Problem. Auch die Bären, über die wir uns im Vorfeld sehr viele Gedanken gemacht haben, entpuppten sich im Nachhinein nicht als die zentrale Herausforderung. So lange man einige Prinzipien einhält – die aber wirklich elementar sind – haben wir uns nie wirklich bedroht gefühlt. Als Gefahr sollte man eher die launische Natur in all ihren Facetten betrachten. Das Wetter ist nicht konstant, sondern wechselt teilweise stündlich.

Und wenn man in einem Moment noch entspannt vor sich hin paddelt, kann nach einer Bergabschattung bereits ein gewaltiger Wind oder gar eine Windhose warten. Regen, Wind, Temperaturen, Sandbänke, scharfer Untergrund, Strömung: Man sollte sich einfach immer auf alles einrichten und gewappnet sein. In Carmacks und Dawson City sollte Ihr auf die Eichhörnchen aufpassen, die selbst stabile Plastiksäcke mit Vorräten anknabbern. Und, um das auch noch zu erwähnen: Passt auf Euch selbst auf und Eure Gesundheit. Die Tour ist belastend und körperlich anstrengend. Schon manche mussten aufhören oder aussetzen, weil sie sich zu viel vorgenommen oder sprichwörtlich mit dem Kopf durch die Wand wollten (und ja, wir haben auch gelitten 😉 ).

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FAQ: Kann ich mein Boot beruhigt am Ufer zurücklassen, wenn ich zum Einkaufen oder Duschen ins Dorf will?

Antwort: Auch wenn wir die Umgebung und die Einwohner generell als angenehm und hilfsbereit kennengelernt haben: Man kann sich nicht darauf verlassen, dass einem aus dem Boot keinesfalls etwas gestohlen wird. Und das kann dann im schlimmsten Fall tourgefährdend werden. In Fort Yukon sind wir sogar explizit davor gewarnt worden, unser Boot allein zu lassen. Glücklicherweise waren wir zu diesem Zeitpunkt zu dritt, so dass zwei von uns beruhigt einkaufen konnten. Und in Grayling beispielsweise sind zwei junge Dorfbewohner mit ihrem Quad unaufhörlich am Strand an unserem Boot vorbei gefahren. Wir hätten zumindest kein gutes Gefühl gehabt, dass sie es dabei belassen würden, wenn nicht einer von uns am Boot geblieben wäre.

Manchmal sind es auch einfach gelangweilte Kinder, die Spielzeug suchen. Das Einkommensgefälle ist generell riesig zwischen dem Paddelnden und den Einwohnern, was den ein oder anderen verlocken kann. Viele Natives leben nur von staatlicher Unterstützung. Im Gegenzug haben wir aber auch wahnsinnig viele hilfsbereite Menschen kennengelernt, die sogar unser Boot bewacht hätten. Das Problem ist allerdings: Es ist schwer, auf die Schnelle einzuschätzen, wer Freund ist und wer eher nicht.

Was also tun? Im Idealfall habt ihr zumindest temporär einen Reise-Kompagnon an Eurer Seite, der das Boot bewachen kann. Falls nicht, kann man versuchen, das Boot vor oder nach dem anzusteuernden Dorf anzulanden und dann lieber einen halben Kilometer zu Fuß ins Dorf zu laufen. Das geht allerdings auch nicht immer. Positives Beispiel: Deutlich vor Galena haben wir unser Boot an einem schmalen Abschnitt auf den Strand gehievt. Dies war auf Höhe des ersten Supermarkts, zu dem wir dann zu Fuß marschiert sind. Häufiger nimmt einen auch ein SUV- oder Quadfahrer mit, gerne aber mal alkoholisiert. 😉

In kleineren Dörfern hätten wir eher ein gutes Gefühl, weil dort die soziale Kontrolle höher ist. Mehr Vorsicht würden wir in den unübersichtlichen größeren Dörfern wie Fort Yukon und Galena walten lassen. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, zentrale Ausrüstungsgegenstände wie Kreditkarte, Geld, Inreach etc. immer am Mann zu halten und mit ins Dorf zu nehmen. Wie Ihr seht: eine Patentlösung gibt es nicht. Allerdings entwickelt man ein ganz gutes Gefühl, was man tun und was man lassen sollte. Sich verrückt zu machen, ist jedenfalls weder sinnvoll noch notwendig.

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FAQ: Lohnt sich das Angeln und das Mitbringen entsprechender Ausrüstung wie Blinker und Lizenz?

Antwort: Aus unserer Sicht: Nein. Wir hatten zwar eine Angel samt diverser Köder dabei. Allerdings ist das Wasser nur bis zum White River so klar, als dass die Fische die Blinker gut erkennen können. Danach wäre der Aufwand zum Angeln also viel höher gewesen. Wir selbst hatten insgesamt nicht die Muße, bei gutem Wetter viel Zeit zum Angeln zu investieren, weil wir immer gerne weiter paddeln wollten. Für uns hat es sich mehr ausgezahlt, bei Bedarf von Einheimischen an Land oder auf dem Boot frischen Fisch – oder Fischkonserven – zu erwerben. Wer aber genug Zeit, Fertigkeit und Wissen mitbringt, kann am Yukon auch etwas selbst fangen. Dann braucht Ihr eine offizielle Angel-Lizenz, die sich in vielen Outdoor-Läden in Whitehorse für kleines Geld kaufen lässt. Lasst Euch allerdings nicht den teuren King Salmon Stamp andrehen. Diesen Fisch darf man sowieso nicht angeln.

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FAQ: Was mache ich mit dem ganzen Müll? Wohin mit Plastiktüten, PVC-Verpackungen und Dosen?

Antwort: Dieses Thema haben wir pragmatisch gelöst unter Ausblendung unserer ökologischen Grundprinzipien. Wir hatten schlicht und ergreifend keinen Platz, den Müll von vielen Tagen oder Wochen im Boot mit uns zu transportieren. Außerdem hatten wir die berechtigte Sorge, dass ansonsten ein neugieriger Bär im Lager vorbeischaut und uns in eine missliche Lage bringt. Wir haben deswegen sämtlichen angefallenen Müll unmittelbar im Lagerfeuer verbrannt. Angenehmer Nebeneffekt: Verpackungen wie die von Beef Jerky, also getrocknetem Fleisch, eignen sich hervorragend als Grillanzünder. Die leeren Dosen haben wir zur Geruchseliminierung ausgebrannt, plattgedrückt und dann im nächsten Dorf entsorgt. Sämtliches Toilettenpapier haben wir nach Verwendung natürlich ebenfalls verbrannt. Diese Lösungen haben sich insgesamt sehr bewährt.

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FAQ: Wo wir schon mal bei diesem eher pikanten Thema sind: Wieviele Rollen Toilettenpapier sollte man mitnehmen? Es wäre ja unangenehm, wenn dieses vorzeitig zu Ende geht…

Antwort: Zunächst die nüchterne Antwort als Zahl: pro Woche haben wir zu zweit eine Rolle verbraucht. Das würden wir als gesunden Mittelweg ansehen. Wer extrem sparsam ist oder es besonders gut meint, wird sicher weniger oder mehr verbrauchen. Es empfiehlt sich aber aus mehreren Gründen in jedem Fall, etwas mehr einzuplanen: Zum einen kann Toilettenpapier nass werden; oder man verliert gar welches. Wir haben unseres deswegen wie unseren Augapfel gehütet und immer wasserdicht verpackt. Zum anderen kann bei diesen Ernährungs- und Belastungsbedingungen die eigene Verdauung auch mal Party machen, was den Toilettenpapier-Verbrauch in die Höhe treibt. Wir haben es von einem Amerikaner selbst mitbekommen, der seine Bevorratung zu optimistisch angelegt hat und sich dann schlussendlich in der Natur aushelfen musste. Das lässt sich vermeiden. Immerhin: In großen Orten wie Fort Yukon und Galena lässt sich zur Not etwas nachkaufen.

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FAQ: Ich will oder muss die Yukon-Tour bis zur Beringsee alleine angehen. Habe ich eine Chance, auf Mitreisende zu treffen?

Antwort: Erstaunlicherweise sind die Chancen trotz der sehr geringen Anzahl an Yukon-Reisenden pro Jahr gar nicht so klein. Das hängt damit zusammen, dass die allermeisten ihre Yukon-Expedition in einem relativ kleinen Zeitkorridor von Mitte bis Ende Juni beginnen. Da jeder in seinem ganz eigenen Tempo unterwegs ist, kommt man fast zwangsläufig irgendwann an einer Lagerstelle oder auf dem Wasser in Kontakt mit anderen Yukon-Paddlern. Falls man dann zusammenpasst, ergeben sich oft spontane Reisegemeinschaften, zumindest auf Zeit. Sie bringen im Idealfall Spaß und Sicherheit.

Manchmal tauscht man auch nur die Inreach-Nummer aus – die Standard-Kommunikation am Yukon – und bleibt dann sporadisch in Kontakt. Die allermeisten Yukoneers, die es tatsächlich bis zur Beringsee schaffen wollen, reisen übrigens alleine. Als Größenordnung in einem Jahr, basierend auf Informationen der Dorfeinwohner und Rangers: Eine hohe zweistellige Anzahl paddelt jedes Jahr bis Dawson City. Überschaubar wenig, aber davon trifft man dann dennoch den ein oder anderen. Und nur eine einstellige Anzahl im gesamten Jahr (!) fährt tatsächlich bis zur Beringsee. Hier wartet dann zwar keine Urkunde, aber ein Gefühl der unendlichen Freude und des Stolzes fürs ganze Leben.

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FAQ: Was haltet Ihr davon, Ausrüstung auszuleihen? Und muss es bei Selbstgekauftem immer die teure Lösung sein?

Antwort: Für uns hat sich das Mitbringen eigener und hochwertiger Ausrüstung bewährt. Wer bei einer dreimonatigen Expedition an zentralen Dingen sparen will oder muss, sollte sich das ganze Unterfangen vielleicht noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Als kleines Beispiel: Das Zelt „Nammatj 2 GT“ von Hilleberg kostet neu etwa 1000 Euro. Ein stolzer Preis – aber für ein großartiges Produkt, das drei Monate lang jeder noch so üblen Witterung getrotzt hat. Es war unheimlich beruhigend, sich darauf am Ende eines langen Paddeltages verlassen zu können. Gerade die Amerikaner reisen manchmal mit einer Ausrüstung, die schnell an ihre Grenzen kommt. So haben wir jemanden kennengelernt, der sich schon in Fort Yukon mühevoll ein neues und trotzdem schlechtes Zelt organisieren musste, weil sein eigenes wegen Tollpatschigkeit und Sturms kaum noch einsatzfähig war.

Am Yukon hat man nicht die Möglichkeit, mal eben auf Amazon etwas neu zu bestellen. 😉 Gleichzeitig ist die Ausrüstung Bedingungen ausgesetzt, wie wir uns das im Vorfeld nicht hätten ausmalen können (dafür großartig zu erleben, w e n n die Ausrüstung mitmacht). Unsere Empfehlung: Am wichtigen Equipment keinesfalls sparen, sich gut beraten lassen und alles im Vorfeld ausführlich testen. Dann stimmen die Rahmenbedingungen schon mal, damit Eure Tour ein Erfolg werden kann.

Was das Leihen angeht: Dies ist sowieso in den allerwenigsten Fällen möglich, wenn Ihr weiter als Dawson City oder Circle paddeln wollt. Sobald Euer Ziel in Amerika liegt, sagen die Reiseveranstalter in Whitehorse: No, thank you. Es wird also beispielsweise beim Boot darauf hinauslaufen, dass Ihr Euch ein Boot vor Ort kauft – und in Emmonak verkauft – oder eines mitbringt. Was vielleicht auch besser ist. Wir haben von einer Gruppe gehört, die im Norden Kanadas mit einem geliehenen Satellitentelefon unterwegs war. In einem entscheidenden Moment hat es dann nicht funktioniert. Wir haben jedenfalls lieber rechtzeitig genug Geld zur Seite gelegt und uns über Jahre die Ausrüstung gekauft, die wir für unsere langfristig geplante Tour für notwendig gehalten haben. Und würden es wieder so tun.

Wer noch einen Mitreisenden für das nächste Jahr sucht oder sich austauschen will: Schreibt uns gerne per E-Mail. Bei uns klopfen häufiger Interessierte an, so dass wir da schon das ein oder andere Mal etwas vermittelt haben.

Letzte Aktualisierung: 11. Februar 2018. Disclaimer: Unsere Informationen basieren auf unserer Yukon-Expedition und unseren persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen.

FOTO: YUKONBLOG.DE
 

Yukon, ein Jahr danach

Unperfektes Foto, perfekte Tour

Yukon, ein Jahr danach

Yukon, genau vor einem Jahr. Nach zweieinhalb Monaten auf dem großen Fluss ist es jetzt bis zum Ziel unserer Reise nicht mehr weit: Emmonak an der Beringsee. Es ist Samstag, der 22. August 2015 deutscher Zeit. Nach Stunden als Spielball der Urgewalten erreichen wir endlich einen Seitenkanal. Hier sind die sich auftürmenden Wellen nicht mehr ganz so hoch und der stürmische Wind bläst nicht mehr ganz so stark. Permanent halten wir trotz Regens Ausschau nach diesem kleinen Fischerdorf namens Emmonak, sind geschlaucht von den hammerharten letzten Paddeltagen im Herbst Alaskas.

Schließlich nähern wir uns einer Siedlung mit Booten und Kränen; aber ist sie auch unser Ziel? Wir paddeln weiter, geben noch einmal alles, und passieren einen großen am Hafen liegenden Fischereitrawler. „Hi, is this Emmonak?“, brüllen wir den Männern am Heck zu. „Yes, welcome!“ schreien sie zurück. Und wir wissen, dass wir es wirklich geschafft haben. Das Ende einer Reise, die uns mehr als 3000 Kilometer auf dem Yukon River fast von der Quelle bis zur Mündung geführt hat.

Ankunft in Emmonak ohne Freudentaumel

Wir suchen einen Platz zwischen den kleinen Fischerbooten, die sich dicht an dicht an den Strand schmiegen. Und schließlich schiebt sich unser Kajak an einer freien Stelle in den Sand. Doch es gibt kein Himmelhochjauchzen. Wir sind einfach nur erschöpft und leer in diesem Moment, sind nicht in der Lage, das alles zu verarbeiten. Und wir müssen zusehen, dass die Wellen nicht auf den letzten Metern doch noch die anderen Boote auf unser Grabner-Kajak schieben.

Philipp organisiert einen Transporter, der unser Boot samt Ausrüstung wegbringen soll. Und so sitzen wir schließlich selbst auf der hölzernen Ladefläche, als der Pritschenwagen über den verschlammten Weg vom Strand weg fährt. Und genau dort entsteht nun dieses eine Foto von uns beiden, was uns im Nachhinein immer noch bewegt. Das Foto ist unscharf, weil Regen und Sand die Linse trüben. Das Foto erfüllt nicht in Ansätzen professionelle Kriterien. Und wir selbst? Wir sind verdreckt, durchnässt, übermüdet und nur allzu vollbärtig. Doch dieses eine Bild ist eigentlich viel besser als all die idyllischen, choreografierten Fotos. Es ist eine ehrliche, unperfekt perfekte Aufnahme am Ende unserer grandiosen Tour. Einer Tour, die so viel mehr bot als Hochglanz-Sonnenuntergänge und Wildnis-Panoramen.

Ein Blick zurück mit Stolz

Yukon, genau vor einem Jahr. Wir denken mit Freude, mit Stolz, ja, mit Wehmut an die Zeit auf dem Yukon zurück. Es war eine Zeit der einmaligen Erlebnisse, der Grenzerfahrungen, eine Reise zu neuen Ufern. Und: Wir würden es immer wieder machen. Es waren zweieinhalb Monate auf diesem einzigartigen Fluss, die uns verändert und bereichert haben.

Yukon, genau vor einem Jahr: Wir sind sehr dankbar für unsere gemeinsame Zeit in Kanada und Alaska. Und dankbar allen, die uns auf diesem Weg begleitet haben.

FOTO: YUKON-BLOG.DE

 
 
Ein Weihnachts-Geschenk per Frachtschiff

Ein Weihnachts-Geschenk per Frachtschiff

Hoho, sagt der Weihnachtsmann! Nach vier Monaten Wartezeit haben wir unsere Frachtkiste aus Alaska in Kiel endgültig wieder in Empfang nehmen können. Ein Weihnachtsgeschenk, mit dem wir schon gar nicht mehr gerechnet hatten. Wenn Ihr diesen Blog ein wenig verfolgt habt, wisst Ihr, wie viel Spaß das ganze Logistik- und Zoll-Theater gemacht hat (gar keinen).

Eingepackt waren Peli-Kisten, das Boot & Co. in reichlich Papier der US-Spedition. Und selbst ein großes Auto war nicht gerade eine Fehlbesetzung, als es um die Abholung an der Ostsee ging. Hatten wir wirklich derart viel Zeug mit auf dem Yukon? Haben es 3200 Kilometer bis zur Beringsee gepaddelt? Es muss wohl so gewesen sein.

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Einen Riesendank geht noch einmal an die Spedition Max Jacobi. Wir dürfen offen und ehrlich sagen: Der deutsche Teil der Abwicklung hat reibungslos und sehr angenehm geklappt. Flugs waren die Sachen ins Auto geladen, und ab ging es in die Heimat (Tausend Dank, Mirjam!).

Etwas ernüchternd war dann der erste Blick auf den Inhalt der Kiste. Zum Schluss unserer Expedition war ja alles noch etwas klamm, die Bedingungen vor Ort ließen eine vollständige Trocknung auch gar nicht zu. Wir mussten ja alles in einem zeitlichen Kraftakt versandfertig machen. Um es kurz zu machen: Schimmel ist durchaus etwas, was wir jetzt in Teilen der Peli-Kisten bekämpfen müssen. Ehrlich gesagt hatten wir aber kaum etwas anderes erwartet. Das Boot beispielsweise sieht aber sehr gut aus, und das war ja das mit Abstand wertvollste Frachtstück. Für den Rest gibt es den guten Kärcher. 😉

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Wir werden jetzt erstmal in Ruhe alle Teile auseinander dividieren, reinigen, sichten und dann wieder einlagern. Und irgendwie ist es schön, dass ein tolles Yukon-Jahr nun mit der Rückkehr unserer Frachtkiste einen würdigen Ausklang gefunden hat. Nicht vergessen ist übrigens das Projekt, hier noch mehr Fotos und ein kurzes Video zu präsentieren. Es dauert aber leider noch ein wenig. Wir wünschen Euch an dieser Stelle jedenfalls noch ein paar schöne Feiertage und einen guten Rutsch. Wir jedenfalls, wir haben mit der Frachtkiste ein ziemlich einzigartiges Weihnachtsgeschenk bekommen.

FOTO: YUKON-BLOG.de

 
 

Unsere Kiste, Klappe, die nächste

Dass uns diese Kiste auch drei Monate nach unserer Yukon-Expedition noch beschäftigen wird, haben wir dann doch nicht erwartet. Obwohl: Nach dem ganzen Logistik-Spaß im Vorfeld hätten wir gewarnt sein können. Immer dann, wenn Du denkst, es geht nicht schlimmer, wedelt irgendwo eine Spedition, eine Behörde mit unaussprechlich langem Namen oder der Zoll himself mit neuen lustigen Formularen und Auflagen herum.

Unsere weltreisende Kiste also. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass wir uns auf keine einzige Aussage und Leistung der unfähigen überforderten Spedition Golden North in Anchorage verlassen konnten. Bitte hier nicht zitierfähige Flüche einsetzen. Eine gute Nachricht gibt es aber dennoch: Seitdem die deutsche Spedition Max Jacobi das Heft des Handelns in der Hand hat, läuft es richtig gut. Schnelle Informationen, zuverlässiges und zügiges Management – also all das, was die Amerikaner aus unerfindlichen Gründen niemals hinbekommen haben.

Nachdem nun also unsere Expeditionskiste einen Zwischenstopp in der amerikanischen Ostküstenstadt Tacoma bei Seattle gemacht hatte, ging es mit einem Güterzug schlanke 4500 Kilometer einmal quer über den nordamerikanischen Kontinent. Sorry, Panama. Von New York City schließlich ging es mit einem Frachtschiff über den Atlantik.

In diesen Tagen soll das Schiff mit unserer Kiste in Hamburg ankommen, anschließend gelangt sie nach Bremen zur Zollabwicklung. Wir haben inzwischen eine Zollerklärung abgegeben, Reisepasskopien und das Zollausfuhrdokument von damals abgegeben, gut Wetter bei allen Beteiligten gemacht. Und hoffen nun, dass der deutsche Zoll ein Einsehen mit uns hat und bemerkt, dass es sich bei uns um zwei normalbegabte Weltreisende und Paddelfreunde handelt, die einfach nur endlich nach Monaten ihre Kiste samt Ausrüstung zurückhaben wollen.

Abholen können wir die Kiste dann in einigen Wochen entweder am Bremer Hafen als Gesamtpaket oder in Kiel (die Bestandteile). Da sind sich die Beteiligten noch nicht so sicher. Aber nachdem der Weg der Kiste Ende Mai mit der Abholung bei uns zuhause ihren Anfang nahm, da kommt es jetzt auf die paar Tage auch nicht mehr an.

Du bist neu hier und willst nochmal alle Beiträge zu unserer Expedition lesen? Dann bitte hier entlang.

Eine Kiste, ein Schiff und eine lange Reise über den Atlantik

Eine Kiste, ein Schiff und eine lange Reise über den Atlantik

Dass wir das noch erleben dürfen! In diesen Minuten werkeln emsige Gestalten in Anchorage/Alaska daran, unsere Ausrüstungskiste auf einen Lastwagen zu laden und zum Hafen zu bringen. Anschließend reist unsere Frachtkiste einmal um die halbe Welt, um Ende November hoffentlich unbeschadet in Deutschland anzukommen. Bis es jetzt endlich losgehen konnte, war es allerdings erneut ein Kampf mit der Bürokratie.

Wie Ihr euch erinnert, hatten wir unsere Ausrüstung wie Peli-Kisten, Zelt, Seile und Rettungswesten Ende August in Anchorage abgegeben. Die Spedition hatte versprochen, sich um alles zu kümmern. Und so zogen wir – etwas ungläubig, aber sehr dankbar – unseres Weges. Doch in den folgenden Wochen zeigte sich, dass sich die Spedition zwar irgendwie um alles kümmerte. Aber plötzlich mit Formularen und Vorschriften aus dem Busch kam, die uns die Zehennägel hochstellten.

Die folgende Odyssee kann man auch zusammenfassen mit Reinhard Meys „Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“.

Die absolute Kurzform: Wir sollten eine EIN-Nummer vorweisen, die aber nach unseren Erkundigungen nur ein US-amerikanisches Unternehmen bekommt. Wir sollten Formular 350 ausfüllen, was aber nur für einen permanenten Umzug aus den USA verwendet werden darf. Auch der deutsche Zoll hat es uns nicht leicht gemacht: Hoher Warenwert, ein Fall für die Gewerbeabteilung! Hoher Warenwert, trotzdem ein Fall für die Privatauskunft! Und warum wir uns nicht auf dem Hinweg Formular 330 haben abstempeln lassen? Antwort: Weil man uns davon trotz Nachfragen niemand erzählt hat.

Falls Ihr also in Eurem Leben noch einmal etwas aus den USA nach Deutschland verschiffen lassen wollt: Es funktioniert mit einer Kopie der Reisepässe, eines „Power of Attorney“, einer Zollerklärung sowie den unterschriebenen Frachtbegleitdokumenten. In Deutschland kann es allerdings auch noch mal lustig werden: Hier müssen wir nachweisen, dass die Güter uns gehören und nicht mehr neuwertig sind. Liebe Beamte, wenn Ihr Euch d i e s e Mengen Yukon-Dreck daran anschaut, sollte sich das Thema erledigt haben, oder?

Außerdem müssen wir nach Eintreffen der Kiste noch eine Zollanmeldung machen, zusammen mit Formular 328. Was das genau bedeutet? Wissen wir nicht im Detail, aber das werden wir auch noch herausfinden. Wir haben die Kiste im Juni irgendwie nach Kanada bekommen, wir sind einmal über den Yukon bis zur Beringsee gepaddelt, jetzt werden wir die letzten Meilen auch noch bewältigen. Problematischer wird vielleicht, dass wir unsere gesammelte Ausrüstung ja nicht völlig trocken der Spedition in Anchorage übergeben konnten. Wir hoffen also, beim Anblick in Deutschland nicht gleich von einer toxischen Wolke von Schimmelpilzen eingehüllt zu werden. Sonst müssen wir wohl die Chemiekeule schwingen…

Das Schiff wird jedenfalls von Alaska aus die Route über den Panama-Kanal über den Atlantik nehmen und soll in etwa sechs Wochen Kiel erreichen. Dort können wir unsere Ausrüstungskiste dann abholen. Den anstehenden unerwarteten Kiel-Trip sehen wir einfach als Gelegenheit, mal wieder etwas Meeresluft zu schnuppern. Und uns einmal wieder an die großartige Zeit zu erinnern, die wir jenseits des Atlantiks erleben durften.

 

FOTO-BASIS: GOOGLE INC.

 
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