Expeditionsbericht

Dawson: Zu Besuch in der Stadt der Goldgräber

Dawson: Zu Besuch in der Stadt der Goldgräber

Nach entspannten 40 Kilometern Paddeln haben wir vor wenigen Stunden Dawson City erreicht. Dawson, ein paar tausend Einwohner; keine Stadt ist mehr mit dem Klondike und dem Goldrausch verbunden. Wie sind nach vielen Tagen auf Inseln und in Wäldern wieder auf einem Campingplatz untergekommen. 720 Kilometer sind geschafft! Ein tolles Gefühl.

Spannend war es allerdings, unsere handlichen und federleichten Peli-Kisten und die Ausrüstung hier den Berg hinauf zu schleppen. Immer ein schöner Workout nach einem Paddeltag. Dafür gibt es hier einen netten ausgewanderten Deutschen als Betreiber – sowie eichhörnchensichere Schließfächer. Der Zeltplatz ist komplett Marke Eigenbau, man könnte es auch ein liebevolles Arrangement aus Schrott nennen. Aber nett ist es wirklich.

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Unser vorläufiges Highlight war gerade die heiße Dusche, die vom Ambiente her an amerikanische CIA-Filme erinnert. Ein unbeleuchteter Raum mit einem Bollerofen, der die Temperatur auf kuschelige Saunatemperatur bringt. Dazu zwei riesige Tonnen, die mit kaltem und heißem Wasser gefüllt sind. In der Mitte dieses Raumes ein Hocker, der punktgenau von einem Oberlicht beschienen wird. Und darauf sitzt man dann, mischt sich kaltes und heißes Wasser zusammen und testet die Methode „Eimerdusche“. In einem Setting, in dem man jeden Moment einen amerikanischen Agenten zum Verhör samt Waterboarding erwartet. Es hat auch tatsächlich jemand angeklopft; es war aber Gott sei dank nur ein duschwilliger Zeltnachbar.

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Hinterher wollen wir noch etwas essen gehen mit unseren österreichischen Freunden, deren Tour hier zu Ende ist. Außerdem warten noch der Waschsalon, der Saloon, die Spielbank und eine Runde Goldschürfen auf uns. Morgen ist dann der Nationalfeiertag Canada Day, bei dem wir uns einen Kostümmarsch durch die Stadt nicht entgehen lassen wollen. Soweit erstmal aus Dawson City, der magischen Goldgräberstadt am Yukon. Bevor wir Freitagmorgen wieder lospaddeln, unsere Vorräte aufgestockt und unsere Ausrüstung auf Vordermann gebracht haben, werden wir sicher noch einmal von uns hören lassen.

Yukon-Tour: Werdet Teil unserer Reise auf dem Fluss

Seit dem 14. Juni 2015 sind wir auf großer Kajak-Fahrt auf dem Yukon Richtung Beringsee. Dieser Überblicks-Artikel ist immer oben im Blog festgepinnt. So wie es uns und der Satelliten-Technik möglich ist, werden wir Euch darunter über unsere Erlebnisse auf dem Laufenden halten. Wir danken für Euer Interesse und wünschen Euch eine gute Zeit.


Since June 14th, we make our way on the Yukon River heading to the Bering Sea. We’ll try to keep you up-to-date below. Please visit the Google Map for our most current position. And stay tuned…


Sourtoe Cocktail in Dawson: Ein Zeh zum Whiskey

Sourtoe Cocktail in Dawson: Ein Zeh zum Whiskey

So ein Whiskey lässt sich auf viele Arten trinken. Ein toter Zeh steht allerdings sicher selten auf der Zutatenliste. Im Downtown Hotel in Dawson gehört es seit Jahrzehnten zu einer Mutprobe, sich einen abgestorbenen Zeh ins Whiskeyglas werfen zu lassen. Und dann in einem Schluck so zu trinken, dass die eigenen Lippen den abgestorbenen schwarzen Zeh berühren.

Klingt abstoßend, irgendwie eklig? Auf jeden Fall! Aber uns haben sie mit einem originalen Sourtoe-Zertifikat gelockt, und da konnten wir Deutschen unmöglich nein sagen. Und natürlich haben wir auch diese Herausforderung gemeistert.

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Wie kam es zu dieser zweifelhaften Tradition mit einem echten Zeh? Der Legende nach gerieten zwei Brüder in den 20er-Jahren in einen schlimmen Schneesturm. Dabei verletzte sich einer der beiden beim Absteigen von seinem Hundeschlitten schwer am Fuß. Weil sie auf der Flucht waren, mussten sie weiter. Und so wurde der Zeh, der durch die eisigen Temperaturen erfroren war, kurzerhand mit einer Axt amputiert. Er wurde in einem Glas mit Alkohol konserviert, geriet dann aber in Vergessenheit. Bis er Jahre später von Captain Dick Stevenson entdeckt wurde und Teil des Sourtoe Cocktail Club und dem bizarren Ritual wurde. Wie belegt die Geschichte ist, lässt sich schwer sagen. Auf jeden Fall kann man jeden Abend zwischen 21 und 23 Uhr selbst Teil dieser zumindest gut ausgedachten Geschichte werden.

So zieht der Zeh übrigens aus.

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Und so das Hotel, in dem sich zu Klaviermusik alles abspielt.

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Dringend abzuraten ist übrigens davor, den Zeh herunterzuschlucken. 2013 ist dies das letzte Mal einem armem Wicht passiert, der daraufhin 500 kanadische Dollar Strafe zahlen musste. Immerhin wurde ein neuer Zeh gefunden. Aber wenn ihr das Herunterschlucken tatsächlich erneut wagen wollt, spart schon mal fleißig: die Strafe wurde nach dem letzten Vorfall auf 2500$ hochgesetzt.

Ein Abschied und ein Aufbruch

Ein Abschied und ein Aufbruch

Nach zwei Tagen in Dawson City heißt es Abschied nehmen. Nicht nur von der Stadt, sondern vor allem von unseren österreichischen Reisegefährten. Zufällig hatten wir uns am ersten Tag auf dem Fluss getroffen, daraus wurden zwei wunderbare gemeinsame Wochen in diesem wunderbaren Land. Danke an Volkmar (links) und Herwig (rechts) für die großartige Zeit. Wir werden Euch vermissen. Und haben unseren Gschirrhangerl immer an Bord, Freunde!

Für uns geht es nun weiter, wir steuern auf die Vereinigten Staaten zu. Ab sofort wird es noch einsamer, auch was Telefonnetz und Zivilisation angeht. Wir wollen Euch trotzdem weiter von Zeit zu Zeit per Satellitentelefon von unserer Reise berichten. Danke für all die lieben Kommentare und den Zuspruch, auch wenn wir nicht immer antworten können.

760 Kilometer liegen hinter uns, mehr als 2000 durch Alaska noch vor uns. Wir sind gespannt, was das Abenteuer Nordamerika am Yukon noch für uns bereithält. Leinen los!

Live-Karte von unserer Yukon-Tour: Inreach-Karte (Passwort: y15)

Der Yukon und seine zwei Gesichter

Heute haben wir den Yukon wie nie zuvor von seiner anderen, unbarmherzigen Seite kennengelernt. Kaum hatten wir Dawson City verlassen, blies uns ein starker Gegenwind entgegen. Für die Seeleute unter Euch: Ungefähr Beaufort 6, Böen 8. Für alle anderen: Wir mussten mit vollem Körpereinsatz paddeln, um trotz Strömung überhaupt noch voran zu kommen. Der Wind und die Gischt ist uns kräftig ins Gesicht geblasen, ordentlich Wellen, kein Spaziergang.

In zweieinhalb Stunden haben wir dennoch gut 25 Kilometer gemacht. Doch als der Wind an den Steilwänden vorbei immer stärker wurde und die Wellen, sagen wir mal „interessant“ wurden, haben wir lieber eine Insel angesteuert. Mittlerweile ist es wieder sehr windstill geworden, der Yukon plätschert fast vor sich hin und zeigt seine freundliche Seite. Und mit standesgemäßer Feuerstelle und Outdoor-Pizza lässt sich ein Freitagabend auch ganz angenehm verbringen. Morgen geht’s dann weiter, für Sonntag peilen wir Eagle und damit den ersten Ort in den USA an.

Live-Karte von unserer Yukon-Tour: Inreach-Karte (Passwort: y15)

Wir sind dann mal über den Yukon in die USA eingereist

 

Ja, wir haben amerikanischen Boden betreten. Welcome to the USA, welcome to Alaska! Wir haben es geschafft.

Die Einreise aus Kanada in die USA muss man sich allerdings unkonventionell vorstellen. Üblicherweise kommt ja an einem Flughafen an, geht mit dem Reisepass zu den Zollbeamten – und schon ist man ins andere Land eingereist. Doch was ist hier oben? Wenn wir auf dem Fluss von Kanada in die USA einreisen? Der Schlüssel zu allen Fragen ist ein unter Yukon-Paddlern legendäres gelbes Telefon. Das befindet sich in einer Nebenstraße von Eagle, dem ersten amerikanischen Dorf am Yukon. Und nur dieses verspricht eine legale Einreise.

„Haltet einfach am Ufer nach einem gelben Telefon Ausschau“, so wurde es uns im Vorfeld bedeutet. Dummerweise war da aber nichts, bis irgendwann ein kleines weißes Schild auftauchte. Das Telefon sei verlegt worden, Überschwemmung sei Dank, es sei nun einfach näher bei der Stadt. Da die aufgedruckte Wegbeschreibung wahrscheinlich nicht einmal Einheimischen etwas sagt, haben wir uns einen Bewohner geschnappt. Und haben es schließlich, trotz Kontakt mit einer unwissenden Nationalpark-Beamtin, tatsächlich vor das gelbe Telefon geschafft.

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Da hängt es dann schließlich, auf der Rückseite einer Wäscherei der Eagle Trading Co. am Anfang des Dorfes. Man öffnet eine große gelbe Plastikklappe. Und irgendwie erwartet man, dass dahinter das rote Atom-Telefon von Obama lauert. Stattdessen haben wir nach dem Abheben mit einem Beamten der US-Grenzbehörden gesprochen. Und mal wieder, siehe Visum, unsere halbe Lebensgeschichte erzählt. Inklusive aktueller Körpergröße und -Gewicht (gefühlt unverändert).

Nach zehn Minuten war der ganze Spaß vorbei. Einreise abgeschlossen. Sehr beruhigend allerdings, dass sich der Beamte unsere Daten nach eigener Aussage einfach auf einen Notizblock gekritzelt hat. Er würde die Daten dann schon an den Flughafen unserer Ausreise, Anchorage, weitergeben. Na, das hoffen wir dann mal auch. Freunde, es gibt Beweisbilder.

Nachdem wir einige Besorgungen gemacht haben in Eagle, werden wir weiterpaddeln und der derzeitigen Hitze trotzen. Doch viel entscheidender ist: Ab sofort flattert an unserem Boot die amerikanische Flagge. Und wir freuen uns riesig, das unser Abenteuer Yukon jetzt in den USA weitergeht

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