Ausrüstung

Wir errichten einen Wassergraben

Im Mittelalter war so ein Wassergraben sehr nützlich: er hielt einem die Feinde elegant vom Leib. Und mit dem Herablassen der Zugbrücke konnte der Schlossherr jeden Tag aufs Neue entscheiden, wer ihm oder seinem Burgfräulein die Ehre erweisen durfte. Wir haben nun heute ebenfalls einen Wassergraben errichtet, und der hat ebenfalls die Abwehr eines unerwünschten Eindringlings zum Ziel.

Der Tunichtgut hört auf den Namen „Regen“. Denn so trocken und dicht unser Hilleberg-Zelt auch ist: Der Untergrund der Insel heute ist trotz erhöhter Position dermaßen sandig-lehmig, dass bei viel Regen nicht alles versickert. Also leiten wir das Wasser lieber ab, damit er den Zeltboden schön in Frieden lässt. Auch das ist mal wieder ein Teil unseres wunderbaren Yukon-Abenteuers, der uns jeden Tag vor neue Herausforderungen und Erlebnisse stellt. Und heute stand dann eben auf der Tagesordnung: Wassergraben errichten. Der nächste Starkregen lässt hier derzeit niemals lange auf sich warten.

Live-Karte von unserer Yukon-Tour: Inreach-Karte (Passwort: y15)

So hat sich der Grabner Riverstar auf dem Yukon bewährt

Mit einem Luftboot aus Kautschuk den Yukon hinunter zu paddeln, ist eher ungewöhnlich. Mit unserem Grabner Riverstar ist es unseres Wissens noch nie versucht worden. Umso spannender nach den ersten 1000 Kilometern auf dem Yukon deswegen eine Zwischenbilanz. Wie hat uns das Boot bisher über den Fluss gebracht, wo zeigen sich Probleme? Und um es vorwegzunehmen: Ein Problem hat just heute dazu geführt, dass wir eine Reparatur samt erzwungenem Pausentag machen müssen.

Unsere Erfahrungen mit dem Grabner Riverstar

PRO

  • Material: Die teilweise starke Strömung hat uns schon häufiger über Steine und Äste getrieben. Dennoch ist der Bootsrumpf bisher unversehrt geblieben, es gibt nur minimale Kratzer. Die Bootshaut macht generell einen robusten Eindruck.
  • Fahreigenschaft: Durch seine Länge und den kielähnlichen Aufbau des Rumpfes ist die Geradeauslaufeigenschaft des Grabner Riverstar sehr gut.
  • Seegängigkeit: Trotz sehr hoher bis grenzwertiger Beladung ist der Riverstar weiterhin sehr seegängig. Bei aufkommenden Wellen bis 70 Zentimetern sowie hinzukommendem Seitenwind und plötzlich auftretenden extremen Strudeln ist das Boot wenig windanfällig und extrem kippstabil.

CONTRA

  • Persenning: Sie macht grundsätzlich einen guten Eindruck, da man sie an seine Bedürfnisse anpassen kann. Allerdings ist die von Grabner gelieferte Persenning keinesfalls expeditionstauglich. Hier haben wir im Vorfeld zusätzliche Halterungen an jede mögliche Öse alle zehn Zentimeter anbringen lassen. Ein weiterer Nachteil hat sich für uns just heute gezeigt: An fünf Stellen hat sich der auf die Persenning aufgeklebte Spritzschutzring gelöst. Somit lief das Wasser beim heutigen Starkregen ungehindert ins Boot und in die Hose; die gute Laune von Jan-Philipp sank mit jedem einlaufendem Milliliter.
    Wir haben die Persenning deswegen hier in der Wildnis Alaskas bei Regen und Kies- und Sandboden vollständig demontiert und unsere größte Peli-Kiste zur Werkbank umfunktioniert. Anschließend haben wir versucht, mit dem Grabner-Werkstattkleber alles wieder fachgerecht zu verkleben. Highlight: Kontinuierlicher Anpressdruck mittels Treibholz und Steine.
  • Ruderanlage: Von der Größe her ist die Ruderanlage sehr gut proportioniert, um das Boot auch bei Wind- und Wellengang und starker Beladung sicher manövrieren zu können. Allerdings hat sich vor wenigen Tagen die Montagestange des Ruders bei Windstärke 6 Böen 8 gelöst, Wellenhöhe 60 Zentimeter. Nur dank maximalem Kraftaufwand haben wir das rettende Ufer trotz ausgefallener Ruderanlage und querkommenden Wellen erreicht. Nachdem wir die Montagestange wieder angebracht haben, konnte die Reise weitergehen.
  • Sitzkomfort: Der Steuermann hat keinen Grund zur Klage. Gerade für den Schlagmann allerdings mit 1,84 Meter sind die Platzverhältnisse im Beinbereich bei montierter Persenning äußerst überschaubar. Nach mehreren Stunden stellt sich ein extremer Knie- und Beinschmerz ein, der nur durch eine ausgefeilte Umlagerungschoreographie in Grenzen gehalten werden kann. Das Problem ist schlicht die zu geringe Beinfreiheit. Das ganze ist für Philipp als Schlagmann wenig vergnügungssteuerpflichtig, und Steuermann Jan-Philipp vermutet wegen der Lagerungsbewegungen jedes Mal einen unfreiwilligen Kontakt mit Treibholz.

Update, 14. Juli: Wir haben die Persenning in Fort Yukon ein zweites Mal kleben müssen. Außerdem ist der wasserdichte Reißverschluss der Hecktasche jetzt nach vielleicht 100 Verwendungen endgültig hinüber. Leider aus unserer Sicht Armutszeugnis für Grabner, wir werden die Firma anschreiben und ihr Statement hier dokumentieren.

Update, 27. August: Wir haben mittlerweile intensiven Austausch mit dem Firmeninhaber von Grabner gehabt. Insgesamt hat sich das Grabner-Boot auf dem Yukon auf den 3200 Kilometern bis zur Beringsee sehr bewährt, wir haben uns gut und sicher gefühlt und konnten uns auch den teilweise extremen Bedingungen aussetzen.

Als Kritikpunkte bleiben:

  • Dass sich die Süllrandverklebung nach wenigen Tagen und mehrfach bei Hitze gelöst hat, solche Bedingungen herrschen teilweise auch bei einer normalen Tour.
  • Dass die Bug- und Hecktaschen schon nach wenigen Tagen gehakt haben und nach Sandkontakt hinüber waren. Wer seine Tour in sandige Regionen wagen sollte, wäre mit Rolltaschen a la Ortlieb vermutlich besser bedient.
  • Dass die Haltegriffe an Bug und Heck sich irgendwann langsam ablösen, hier wäre eine stärkere Befestigung wie beim Adventure wünschenswert. Dass der Haltestift der Ruderanlage sich öfter mal löst und man ihn wieder festdrücken muss.

Fazit: Jeder, der mit dem Grabner Riverstar eine große Tour machen will, sollte sich mit der Firma Grabner in Verbindung setzen. Auch wir haben uns von der Firma Zölzer Spritzschutzdecken und Persenning expeditionstauglich anfertigen lassen. Wer bereit ist, diese Investition zu tätigen, hat am Ende ein sehr gutes und auch für extremere Bedingungen taugliches Boot.

Unsere Kiste ist unterwegs zum großen Fluss

Los geht's.

Unsere Kiste ist unterwegs zum großen Fluss

Ein bedeutender Meilenstein ist geschafft: Die Kiste mit unserer Ausrüstung ist endlich unterwegs. In diesen Minuten befindet sie sich irgendwo über dem Atlantik in einer Maschine der KLM675. Insgesamt wird sie einen Weg von etwa 10.000 Kilometern zurücklegen. Anschließend können wir sie hoffentlich ohne Probleme Mitte Juni wieder beim Zoll in Whitehorse entgegennehmen.

Am Ende ist es dann doch noch mal spannend geworden. Denn die Kiste aus dicker Wellpappe war zwar schnell aufgebaut, allerdings nicht ganz so schnell gefüllt. Für den Zoll muss man beispielsweise eine umfangreiche Liste anfertigen, in der gefühlt jedes Staubkorn einzeln beschrieben und aufgelistet wird. Immerhin, die Angelhaken durften wir gnädigerweise als „Satz Angelhaken“ zusammenfassen. Anschließend haben wir unsere bärensicheren Peli-Kisten vollgeladen mit alldem, was wir in Kanada benötigen: Boot, Schlafsäcke, Paddel, Zelt, Kochgeschirr… Und es hat tatsächlich alles in unsere Ausrüstungskiste hineingepasst.


Unsere Raja-Expeditionskiste auf einen Blick:

Maße inkl. Palette:

Länge 120cm, Breite 100cm, Höhe 109cm

Gewicht:

152 Kilogramm inkl. Kiste

Material:

Kiste: Dreiwellige Pappe, mit Gewebeband und Stretchfolie geschützt. Palette: Gepresstes Restholz, CFIA/ISPM15-exporttauglich.

Route:

Bis München per Lastwagen, dann per Flugzeug via Amsterdam nach Edmonton/Alberta. Von dort per Lastwagen nach Whitehorse/Yukon. Details hier im Blogbeitrag.

Inhalt:

Die vollständige Zoll-Packliste könnt Ihr Euch hier als PDF herunterladen. Den Luftfrachtbrief findet Ihr als PDF hier. Mit Condor transportieren wir Heck- und Bugtaschen mit Kleidung sowie die Elektronik im Handgepäck.


Nach dem Packen haben wir die Kiste noch mit reichlich Tesa-Paketband eingewickelt und im Christo-Style wie ein Kunstwerk in Stretchfolie eingehüllt. Eigentlich wollten wir die schwere Expeditionskiste dann mit einem Traktor zur Straße bringen, doch dessen Batterie hat sich von den Lokführern inspirieren lassen und streikte. Fähigen Mechanikern sei dank wurde auch dieses Problem gelöst. Und am nächsten Tag stand dann ein 7,5-Tonner vor der Tür. Und unsere Ausrüstungskiste war gefühlt schneller eingeladen, als wir „Yukon“ sagen können.

In diesen Tagen fährt und fliegt unsere Kiste nun um die Welt. Unendlich dankbar sind wir Melanie Urzinger von der Spedition Texim, die uns weit über das Normale hinaus unterstützt hat. Ohne sie wäre das alles nichts geworden. Melanie, du bist die Beste! Und wir, wir sind dann bald mal weg.
FOTOS: YUKON2015.DE

 
 

Finally, our equipment crate is en-route. After a night of packing and bureaucracy, a truck picked it up. Currently, the crate is heading on a KLM flight from Amsterdam towards Edmonton in Canada. We hope that we can welcome all of our equipment in a good condition in Whitehorse again.


 
Rode Videomic Go: Mit der toten Katze zum Klondike

Lauscher auf!

Rode Videomic Go: Mit der toten Katze zum Klondike

Was für uns Menschen die Ohren sind, ist für die Filmkamera das Mikrofon. Und damit wir am Yukon nicht nur schöne Aufnahmen, sondern auch Worte und Umgebungsgeräusche vernünftig festhalten können, haben wir noch ein externes Mikrofon namens Rode Videomic Go für die Spiegelreflex angeschafft. Leider haben wir gerade nicht die Zeit, ausführlich auf die Neuanschaffung einzugehen (es gibt da noch diese kleine Baustelle namens Ausrüstungskiste). Außerdem muss es ja auch nicht immer so ausufernd ausführlich werden wie damals beim Iridium Go-Test. Aber kurz vorstellen wollen für Euch den Begleiter allemal.

Die Vorteile des Videomic Go für uns

  • STROM: Als eines der wenigen Modelle benötigt es keine externe Batterie. Der große Bruder Videomic Pro beispielsweise verlangt einen 9-Volt-Block, der am Yukon vermutlich seltener anzutreffen ist als Goldnuggets.
  • GEWICHT: Mit 73 Gramm ist das Videomic Go ein Fliegengewicht. Da man eine Spiegelreflex ja viel durch die Gegend schleppt und unser Boot die ganze Ausrüstung auch noch tragen muss, ist das ein Argument.
  • PACKVOLUMEN: Das Videomic Go ist zwar federnd aufgehängt, aber sehr kompakt. Und zumindest an der 70D kann man selbst dann noch fotografieren, wenn das Mikro auf den Blitzschuh gesteckt bleibt.
  • TOTE KATZE: Für das Mikro gibt es einen originalen Windschutz, der in der Fachsprache wegen seiner weichen Haare Deadcat heißt. Den Windschutz haben wir noch nicht getestet, er macht aber einen guten Eindruck.

Wie gut ist das Videomic Go?

Nach unseren ersten Tests sind wir sehr zufrieden. Für ein derart kompaktes und mit 65 Euro günstiges Mikrofon ist die Tonqualität überzeugend. Als sogenanntes Shotgun-Mikrofon ist das Videomic Go besonders tauglich für alles, was sich vor der Kamera abspielt. Und genau das schwebt uns ja vor: Uns selbst und andere filmen, die vor der Kamera sprechen. Sowie Geräusche aller Art aufnehmen, die sich vor der Linse abspielen.

Eine Einschränkung gibt es: Auf größere Entfernungen sind keine akustischen Wunder mit dem Gerät möglich. Allerdings wollen wir ja auch nicht mit einem professionellen RED Scarlet-Kamerageschoss für zwei Fantastilliarden Euro auf Reisen gehen. Wobei wir uns das noch einmal überlegen, falls wir wie damals Dagobert Duck am Klondike das große Gold finden sollten. Solange aber wird uns das Rode Videomic Go hoffentlich ein kleiner, treuer Begleiter auf der Tour sein.
FOTO: YUKON-BLOG

 
 
 

We bought a Rode Videomic Go for mounting it on our Canon DSLR. The purpose of this shotgun microphone can be put in simple words: better sound quality even in windy surroundings. And, hey, there will be probably more wind than appreciated on the Yukon River. The Videomic Go seems to be a good choice: compact, lightweight and without a necessity for an external power supply. Many reasons to be part of our Yukon equipment list, we presume.


 
Eine Kiste, sie zu knechten

Unsere Ausrüstung geht auf Reisen

Eine Kiste, sie zu knechten

Was für ein Spaß, so eine Kiste mit unserer Ausrüstung bis nach Whitehorse an das Ufer des Yukon zu bringen. Wer glaubt, dass dies auch nur annähernd so funktioniert wie eine Online-Bestellung in den USA, liegt leider daneben. Es gleicht tatsächlich eher einem Umzug nach Kanada und zurück. Das kann man anstreben, muss man aber nicht.

Noch mal zur Erinnerung: Wir lassen die dickwandige Kartonkiste auf einer Palette von zwei Speditionen bis zum Startpunkt bringen. Gefüllt ist der Behälter mit Dingen wie unserem Boot, Peli-Kisten, Bootszubehör, Lebensmitteln und weiterem Equipment. Das war letztlich alternativlos, weil unter anderem das Grabner Riverstar XXL schlicht zu schwer für die Luftlinien war (siehe Blogbeitrag hier, hier und hier). Immerhin hat die neue Methode den Vorteil, dass es preislich auf ein paar Kilo nicht mehr ankommt. Wird eh schon kein günstiger Spaß. Dafür haben wir aber auch jetzt schon viele einmalige Erfahrungen gesammelt. 😉

Wir langweilen Euch hier jetzt nicht mit bürokratischen Details und Zollformalitäten, mit denen wir uns schon herumgeschlagen haben. Wer da mehr über die Yukon-Logistik wissen will, so frage er uns. Wir wollen Euch nur mal zeigen, welchen Weg unsere Ausrüstungskiste bis zum Ziel nehmen soll. Und eine andere Kiste dann vom Endpunkt der Yukon-Tour wieder bis nach Deutschland. Adjektiv: interessant. Oder: speziell.

Yukon-Logistik: Eine Kiste reist um die Welt

Weg einer Ausrüstungskiste von Deutschland bis nach Whitehorse
GRAFIK: YUKON2015.DE/AUFMACHERFOTO: LC AG CC-BY-SA 3.0 beschn.

 
 

Eine Kiste, sie zu knechten. Wie Ihr seht, haben wir eine ganz spannende Transportroute entwickelt. Denn der einfache Weg hat sich bei der Planung meist als der untaugliche herausgestellt. Aber einfach könnte auch jeder, wie wir zu sagen pflegen. Zumindest geht der Hinweg schnell vonstatten: Abgeholt wird die Kiste bei uns in Deutschland am 27. Mai. Wenn dann alle Zahnräder ineinander greifen, können wir uns die Kiste am 15. Juni am Yukon aus dem Zoll holen. Der Rückweg ist dann nochmals eine andere Geschichte. Kennt Ihr als treue Leser. Die Spannung steigt!  
 

 

Even just sketching the transportation route of our equipment crate would probably fill several pages. Therefore, we created the chart above. To put the logistics chain in short words, part of the route are undertaken by truck. Some are international cargo flights, some local cargo flights, consolidated cargo. The logistic chain is spiced up with bureaucracy and customs issues, so we had and probably will have lots of fun with our crate. It will, to finish this summary, be packed with our large boat, pelican cases, boat gear and food. Can’t wait to open it in June in Whitehorse…


 
Zwei Monate bis zur Yukon-Tour

Alles findet sich zusammen.

Zwei Monate bis zur Yukon-Tour

Allmählich schleicht sich da ein Gefühl ein. Nein, eher eine Gewissheit, dass es in zwei Monaten wirklich los geht. Wir werkeln an allen Fronten, organisieren, telefonieren, probieren aus, und immer noch gibt es einiges zu tun. Ein Zwischenstand von dem, was eine besondere Tour auf einem besonderen Fluss werden soll. Auf dem Yukon Richtung Beringsee. Wie immer freuen wir uns über Fragen und Anmerkungen. Und wenn unsere ausgetüftelte Iridium-Technik mitspielt, seid Ihr ab Juni auch auf der Yukon-Tour hier im Yukon-Blog immer dabei.

// Unser Packtraining

Passt überhaupt alles ins Boot? Wir haben jetzt versucht, in Bug- und Hecktaschen und in die Peli-Ladekisten wirklich alles unterzubringen an Ausrüstung und Kleidung, was mit muss für die Reise auf dem großen Fluss. Also Karten, Kameras, Kocher, Flaschen, Säcke, Satelliten-Geräte, Jacken, Socken, Hosen, Schlafsack, Iosmatte und so vieles mehr. Unsere Ausrüstungsliste ist lang. Für Luxus ist kaum Platz. Gleichzeitig passt aber dann doch eine Menge hinein, so dass wir noch viel Luft haben für Lebensmittel. Und dass wir auch mit viel Gepäck sehr kentersicher sind, haben wir ja schon erfolgreich getestet.

// Unser Boot

Das Herzstück unserer Yukon-Tour ist inzwischen in allen Feinheiten reisefertig. Zum einen haben wir von den Bootsspezialisten Zölzer die maßangefertigten Spritzschutzdecken und die Persenning bekommen. Nicht alles ist völlig exakt so, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber es wird eine sehr gute Lösung sein, um sich auf den Fluss zu bewegen. Endlich können wir Peli-Kisten und Ausrüstung geschützt und befestigt transportieren. Außerdem gibt es in der Mitte als Teil der Persenning eine Art Kamin mit Reißverschluss, was die Kisten umgeben wird. Und das unwichtigste vielleicht netteste in fremden Gewässern: Wir werden mit einer deutschen, kanadischen und amerikanischen Flagge am Boot durchs Wasser gleiten. So viel nautischer Stil muss sein.

// Filmen und Fotografieren

Darüber hinaus haben wir eine feine Lösung zum Filmen gefunden. Neben unserer Canon 70D-Spiegelreflex kommt eine Drift Ghost S mit an Bord. Eine kleine, handliche Actioncamera, mit der neben Zeitraffer- auch Aufnahmen am und unter Wasser, am Boot, am Paddel möglich sind. Sie hat zahlreiche Vorteile, die die klassische Hero GoPro nicht bietet. Darunter: standardmäßiges Stativgewinde, Wasserdichtigkeit auch ohne zusätzliche Hülle bei gleichzeitiger Audioaufnahme, drehbare Linse und einiges mehr. Außerdem ist die Laufzeit mit mehr als drei Stunden lang, was bei unserer geplanten Solarstromversorgung ein gewichtiges Argument ist. Das könnten schöne Aufnahmen werden.

// Unsere Logistik

Das unendliche Kapitel. Nie hätten wir uns träumen lassen, dass dieses Vorhaben gefühlt ebenso aufwändig ist wie ein vollständiger Umzug nach Kanada: eine Kiste mit Ausrüstung ins Land zu bekommen (siehe Blogbeitrag im November). Doch mittlerweile sind wir vor der Ziellinie. Unsere deutsche Spedition Texim bringt die Palette samt dreiwandiger Kartonkiste bis nach Kanada. Dort übernimmt eine andere Spedition und bringt das ganze auf den Tag genau mit einem Lastwagen nach Whitehorse. Doch davor hatten die Götter unendliche Formalitäten, Zoll-Vorschriften und Ausnahmen gestellt. Über dieses Gesamtkunstwerk und seine Anekdoten werden wir demnächst noch mal gesondert in diesem kleinen Blog berichten.

// Und selbst? Gedanken, Gefühle?

So viel über unsere Ausrüstung, so wenig über unsere Pläne und Gedanken? Trotz unserer langen Vorbereitungszeit gibt es einfach weiterhin jeden Tag die vielen kleinen und großen Schritte, die einen beschäftigen. Weil unsere Ausrüstung und unsere Planung einfach funktionieren soll und muss und im Kern vollständig. Was daheim noch einfach zu organisieren und zu erwerben ist, wird drüben viel schwieriger.

Und doch, ja, der Yukon nimmt gerade schon immer mehr Raum im Kopf ein. Wir machen uns Gedanken, wie es sein wird, wenn wir wirklich am Ufer dieses ganz besonderen Flusses stehen werden. Und wahrscheinlich werden wir erst dann vollends realisieren, was wir hier eigentlich vorhaben. Wir freuen uns darauf!

FOTOS: YUKON2015.DE (5), RAJAPACK (1)

 
 
 

Only two months to go until or Yukon expedition is taking off. We are busy planning and discussing the details. On the equipment side, our boat is ready to ship after several improvements. We even have a canadian / german / american flag. Even our logistic chain for bringing the bigger parts of equipment to Canada will finally work (customs bureaucracy is no fun at all, though). And lots, lots of other thing go its way we cannot mention here. But what we can say, of course, is that we are so much looking forward for this trip. We are curious about the river, the people, the nature. Two months to go!


 
Iridium Go-Testbericht: Den Satelliten ganz nah

Eine kleine Wunderkiste.

Iridium Go-Testbericht: Den Satelliten ganz nah

Zu jeder Tages- und Nachtzeit fliegen sie über unseren Kopf hinweg. Satelliten umkreisen unermüdlich die Erde, ohne dass wir etwas davon mitbekommen. Doch im Falle von Iridium schaffen sie etwas, was einzigartig ist: Sie erlauben es uns, von jedem Punkt des Globus‘ mit einem beliebigen anderen Punkt zu telefonieren. Seit wenigen Tagen nennen wir ein Wundergerät namens Iridium Go unser eigen. Satelliten-Telefone kennt man ja eher aus James-Bond-Filmen, die Funktionen sind aber auch für uns ein echter Gewinn. Was wir am Yukon mit dem Iridium Go vorhaben und wie es sich in unserem Praxistest im hessischen Mittelgebirge bewährt hat, lest Ihr hier.

Unser Testbericht zum Iridium Go

Fakten | Start | Kopplung | Telefonieren | SMS | E-Mails | Internet | Pro & Contra | Fazit

Unser Gerät ist eine Art Router, der das Smartphone in ein vollwertiges Satellitentelefon verwandelt. Da der Großteil der Erdoberfläche nicht von den Telekoms dieser Welt versorgt wird, ist die Verbindung via Satellit nicht nur in Kanada und Alaska oft die einzige Kommunikationsmöglichkeit. Im Gegensatz zu anderen Anbietern wie Inmarsat oder Globalstar deckt Iridium den Globus vollständig ab. Hersteller Iridium ist von dem „Go“ offenbar so überzeugt, dass es hinter den Namen ein Ausrufezeichen setzt. Das können wir auch, hier im Yukon-2015-Blog! Also zunächst zu den Fakten.



FAKTEN AUF EINEN BLICK: Was das Iridium Go leistet

  • Netzverfügbarkeit überall auf dem Globus (Karte)
  • Das „Go“ verbindet sich mit Smartphones
  • Telefonieren mit allen Netzen
  • SMS-Versenden mit bis zu 1000 Zeichen
  • Absetzen eines SOS- und GPS-Signals
  • E-Mails empfangen und versenden

Start: Einfach loslegen wie von Handys gewohnt ist mit dem Iridium Go nicht möglich. Man sollte sich immer an einem Standort befinden, der einen möglichst freien Blick zum Himmel ermöglicht. Häuser- oder Bergschluchten sind zusätzlich hinderlich, wie wir selbst beim ersten Versuch in der Stadt gemerkt haben. Bäume sind aber nur bei dichtem Blattwerk problematisch. Stimmen die Bedingungen, klappt man die Antenne hoch, worauf sich das 300 Gramm schwere Gerät initialisiert. Anschließend sucht es nach Satelliten und meldet sich dort an. Meist nach ein bis zwei Minuten ist es dann soweit: das Signal-Lämpchen des Iridium Go leuchtet den Besitzer freudig grün leuchtend an.

Kopplung: Anders als bei einem reinrassigen Satelliten-Telefon ist das Iridium Go ohne gekoppeltes Smartphone weitgehend wertlos. Lediglich das Absenden eines SOS-Signals und der eigenen GPS-Position ist auf diese Weise möglich. Dafür ist es erheblich günstiger in punkto Anschaffung und Tarife und erlaubt die komfortable Bedienung über das eigene Smartphone. Bis zu fünf Geräte können sich an dem drahtlosen Iridium-Go-Funknetzwerk anmelden. Unser WLAN-Name lautet jetzt Iridium-Yukon. Falls genau der also mal bei Euch im Handy auftaucht, Finger weg… 😉

Telefonieren: Für uns ist das die wichtigste Funktion. Denn der der SMS-Versand ist auch über den im Blog schon einmal vorgestellten Inreach Explorer möglich. Jedes Gerät erhält eine eigene Nummer mit der Vorwahl +8816/+8817. Zum Telefonieren gibt es eine Iridium-App, die alle wichtigen Funktionen anbietet und etwa Zugriff auf das Smartphone-Adressbuch hat. Also einfach mal eine Nummer auswählen, auf Anrufen drücken. Zuerst verkündet eine weibliche Automatenstimme, wie viele Einheiten man noch auf seiner Iridium-SIM-Karte hat. Und dann sind wir überrascht: Natürlich hört man seinen Gesprächspartner nicht in völlig klarer Stimme, auch sollte man immer abwechselnd sprechen. Aber die Erwartung, eine Qualität zwischen Krächzen und Rauschen zu bekommen, erfüllt sich nicht. Und aufregend ist es auch ein bisschen, selbst bei unserem Telefonat zwischen dem hessischen Mittelgebirge und Heidelberg.

SMS-Versand: Über die angesprochene Iridium-App für Apple und Android lassen sich Nachrichten mit bis zu 1000 Zeichen versenden, die dank Smartphone zügig getippt sind. Bei unseren ersten Tests landet die SMS binnen Sekunden beim Empfänger. Das Empfangen von SMS über das Iridium Go hingegen hat beim ersten Mal noch nicht geklappt. Das schauen wir uns noch einmal an. Allerdings wollen wir da aus Kostengründen sowieso primär den Inreach Explorer verwenden, selbst wenn hier nur 160 Zeichen pro Nachricht möglich sind.

E-Mails: Dafür bietet Iridium mit AxcessPoint eine eigene App, deren Schreibweise leider so dubios ist wie ihr Design. Grundsätzlich erhält man nach Registrierung eine E-Mail-Adresse benutzer@myiridium.com. Über die App lassen sich dann eingeloggt E-Mails sowohl empfangen als auch versenden. Bisher werden wir allerdings immer von einer „Socket Error“-Fehlermeldung gepeinigt. Offenbar müssen wir hier der Konfiguration noch etwas Feinschliff verpassen. Dokumentation und App überzeugen so oder so nur teilweise. Wir werden hier ein Update nachreichen. Hauptsächlich geht es uns aber mit dem Iridium Go auch weniger um das E-Mailen, sondern um den Versand an eine spezielle WordPress-Adresse. So können wir direkt vom iPad aus einen Blogbeitrag in die weite Welt absetzen (ambitioniert, aber irgendwie großartig).

Internet: Dieses letzte Kapitel können wir abhandeln unter dem Motto technisches Wolkenkuckucksheim. Wir reden im besten Fall von epischen 2,4 Kilobit pro Sekunde. Schon eine ISDN-Verbindung ermöglichte in den 90er-Jahren mehr als 25 Mal so viel. Die geringe Geschwindigkeit ist ein Tribut an die globale Abdeckung via Satellit. Für Wetterinfos haben wir eine andere Lösung. Abends ein Youtube-Video anzusehen oder gar hochzuladen, ist mit dem Iridium Go sowieso unmöglich. Wollen wir aber auch nicht. Wir wollen ja Natur, nicht Technik erleben.

Hintergrund: Warum heisst Iridium eigentlich Iridium?

Der Name des weltumspannenden Kommunikationssystems Iridium basiert auf einer doppelten Metapher. Zum einen sollte das Iridium-Netz eigentlich aus 77 Satelliten bestehen – tatsächlich sind es derzeit etwas weniger -, was der Ordnungszahl des gleichnamigen chemischen Elements Iridium entspricht. Gleichzeitig ist die Anlehnung an ein Element ein Bezug darauf, dass sich beim Iridium 77 Elektronen um den Atomkern bewegen. Dies kann als Parallele zu den Satelliten gelten, die um die Erde kreisen. Das Logo der Firma Iridium mit der prägnanten Anordnung von gelben Punkten geht übrigens auf einen Teil des Sternbildes des Großen Bären zurück, der besonders stark leuchtet. Was auch wieder einen Bezug auf Nordamerika darstellt sowie auf Alaska, dessen Flagge ebenfalls vom Großen Bären sowie dem Nordpolarstern gebildet wird.
 
 


Pro & Contra für das Iridium Go

Pro:

Contra:

  • Hervorragende Verarbeitung
  • Robust abgedichtet und geschützt gegen Wasser, Dreck, Stürze
  • Telefonier- und SMS-Funktion überzeugt
  • Einziges wirklich globales Netz
  • Smartphone-Anbindung ist praktisch
  • Akku scheint lange zu halten
  • Hoher Gerätepreis (ca. 800$)
  • Hohe laufende Kosten (derzeit Prepaid ab 75ct pro Daten- und 1,40 Euro pro Telefon-Minute)
  • Apps für iOS sind eher veraltet
  • Langsame Übertragung mit 2,4Kbit/Sekunde
  • Mail-Konfiguration nicht intuitiv

Was bleibt als Fazit? Wir haben insgesamt einen guten Eindruck vom Iridium Go. Es handelt sich um ein spezielles Gerät, was aber in Fällen wie unserer Yukon-Tour zusätzliche Sicherheit und ein Stück weit Komfort schafft, weil wir beispielsweise Kontakt zu Buschpiloten aufnehmen können. Doch das wichtigste: Irgendwo am Fluss können wir unseren Angehörigen ein Lebenszeichen senden und außerdem Abstecher ins Bloggen mitten in der Wildnis wagen.

Abgesehen davon, dass das ganze schon reizvoll ist. Wer von uns hat schon mal per Satellit telefoniert? Man sieht diese Telefone in Actionfilmen, man sieht es beim Abenteurer MacGyver und in den DMAX-Serien, man sieht es bei James Bond. Aber sonst? Letzterer konnte in einem Film sogar nur mit seiner Uhr eine Satellitenverbindung zur MI6-Zentrale aufbauen. Soweit sind wir nicht, aber wir werden ja auch nicht von den Oberschurken dieser Welt gejagt. Wir machen es also mit dem Iridium Go zwei Nummern kleiner – und unsere Ausrüstung ist wieder ein bisschen vollständiger.

ALLE FOTOS: YUKON2015.DE. IRIDIUM-LOGO: IRIDIUM LLC

 
 
 

Our equipment is getting more complete every day. From now on, an Iridium Go device will be our loyal companion. The device enables a smartphone via Wifi for making satellite calls, also sending mails and text messages. Although the Iridium Go is nearly useless without a smartphone, it’s much cheaper in regard to device and connection costs than regular satellite phones. Thanks to the truly global Iridium network, it allows us to communicate with our beloved ones, rangers, bush pilots etc even in the middle of nowhere. Apart from that, we are able to send specials emails which are automatically converted into a blog post. Welcome to the new world – despite lousy 2.4 kbits/second connection speed. And we take it as a good sign that the Iridium logo which shows the Big Bear constellation also constitutes the Alaskan flag.


 
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