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Die Touren der Anderen

Yukon 2018: Zwei Franzosen wollen bis zur Beringsee

Sie wollen ihren Traum vom Yukon 2018 leben: Louis und Quentin aus Frankreich planen für Juni ihr dreimonatiges Abenteuer auf dem großen Fluss. Die beiden 21-jährigen Franzosen haben wir kennengelernt, weil sie uns wegen unserer Erfahrungen angeschrieben hatten. Und was sie vorhaben und wie sie es umsetzen, ist beeindruckend. (PDF-Interview in English. L’interview français via Google Translate.)

Für dieses Interview haben wir länger mit Quentin über den gemeinsamen Yukon-Traum gesprochen. Warum eine Mundharmonika an Bord nicht fehlen darf, wie sich die beiden Franzosen auf den Lofoten vorbereitet haben. Und warum ihre Aufregung inzwischen ungeahnte Höhen erreicht hat.

Yukon 2018: Interview mit einem Abenteurer

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Warum wollt Ihr unbedingt auf den Yukon? Der Mississippi und der Amazonas sind ja auch lange Flüsse …

Quentin: Louis und ich hatten beide eine tiefe Sehnsucht nach diesem einen Abenteuer unseres Lebens. Das war vor drei Jahren, als wir gerade erst unser Studium aufgenommen hatten. Allerdings wussten wir da noch überhaupt nicht, was das denn eigentlich für ein Abenteuer werden und wo es stattfinden sollte. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht einmal, dass wir es am Ende zusammen angehen würden. Doch was uns schon immer innewohnte, war die Faszination von der nordamerikanischen Wildnis. Von mysteriösen und wunderschönen Orten mit atemberaubender Natur und völliger Einsamkeit.

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Wie haben sich Eure Abenteuer-Pläne für den Yukon seitdem entwickelt?

Quentin: Louis war der erste, der aus seinen Träumen Realität werden lassen wollte. Nach umfangreichen Recherchen war für ihn klar, dass das Paddeln für ihn der beste Weg für Reisen über extreme Distanzen ist. Paddeln ist komfortabler und weniger kräftezehrend als eine Fernwanderung oder eine Radtour. Es ist nicht derart anspruchsvoll wie Motorsport oder Reiten. Außerdem führen Flüsse nun mal oft durch die abgeschiedensten Ecken der Welt, was einem das Reisen durch echte Wildnis ermöglicht. Zu guter Letzt hat man auf dem Fluss immer in klares Ziel vor Augen: das Meer!

Als wir über unsere Träume sprachen, wurde uns klar: Wir sollten sie uns gemeinsam erfüllen.

Auch wenn wir bis dato nur sehr wenig Erfahrungen im Wassersport hatten, schien die Reise mit einem Kajak also für unser Abenteuer sehr vielversprechend zu sein. Im Kajak würden wir genügend Platz für Zelt und unsere Ausrüstung haben und gleichzeitig fernab von Straßen und Zivilisation unterwegs sein. Im nächsten Schritt war die Entscheidung für den Yukon für uns nur folgerichtig. Es ist ein sehr ambitioniertes Vorhaben, weil der Fluss mit 3200 Kilometern sehr lang ist und Alaska vollständig durchquert. Aber es stellt immerhin keine extremen Anforderungen an die eigenen Paddelfähigkeiten, weil es keine schwierigen Wildwasser-Passagen gibt.

Schön, wenn man eine Drohne hat.

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Die meisten Yukon-Abenteurer paddeln allein. Was steckt hinter Eurem Duo? (ein Konzept, was wir natürlich empfehlen können…)

Quentin: Die eigentliche Idee entsprang Louis‘ Fantasie und seinen Recherchen. Eigentlich wollte er die Yukon-Expedition alleine angehen. Ich selbst hatte wie erwähnt zwar ebenfalls Pläne für ein verrücktes Abenteuer, die aber eher vage waren. Als wir über unsere Träume sprachen, wurde uns klar: Wir sollten sie uns gemeinsam erfüllen. Wir kommen gut miteinander aus, haben auch schon gemeinsame Erfahrungen als Pfadfinder gemacht. Und nicht zuletzt: Wir hatten eine ähnliche Vorstellung von unserem Abenteuer. Ich musste dann nur noch herausfinden, ob ich einen derart langen Trip mit meinem Studium vereinbaren kann. Als das geklärt war, haben wir uns mit fliegenden Fahnen auf den Yukon als gemeinsames Ziel eingeschworen.

Alleine ein solches Projekt anzugehen, erschien mir für einen 21-Jährigen ohne jede Kanu-Erfahrungen unverantwortlich. Als Team helfen wir uns gegenseitig, können über die Erfahrungen sprechen und schöne Momente teilen, und es wird unsere Freundschaft stärken.

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Wie wollt Ihr auf dem Yukon 2018 Eure Aufgaben an Bord und an Land verteilen? Wo seht Ihr Eure Stärken und Schwächen?

Quentin: Die Rollenverteilung ergibt sich für uns durch unsere unterschiedlichen Talente und Charaktere. Nach zwei Jahren Kajak-Erfahrung hat sich das sehr gut eingespielt. An Bord ist Louis der Schlagmann und ich selbst der Steuermann. Nur am allerersten Tag haben wir mal getauscht und danach die Rollenverteilung nie wieder in Frage gestellt.

An Bord haben wir eingespielte Rollen.

Da ich selbst ein wenig größer bin, macht es mir nichts aus, hinten zu sitzen. Ich steuere das Boot mit den Pedalen und dem Ruder und kümmere mich um die Navigation. Louis ist etwas kleiner und sitzt gerne vorne, weil er von dort auch die bessere Position für Fotos hat. Er kümmert sich aber ebenso um die langfristige Routenplanung. Und er vertraut meinen Fähigkeiten als Steuermann, was etwa das Vermeiden von Hindernissen oder Wellen angeht.

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Und wie wollt Ihr das gemeinsame Leben an Land in Kanada und Alaska gestalten?

Quentin: Viele Aufgaben muss man sowieso zusammen erledigen. Klare Präferenzen haben wir aber trotzdem: Ich beispielsweise liebe es, mit einem Lagerfeuer den Anfang zu machen und mich dann um das Kochen zu kümmern. Louis hingegen stromert gerne herum, macht Fotos, spürt Feuerholz auf und sorgt sich um frisches Wasser. Und jeder von uns wird natürlich ohne zu Murren Aufgaben übernehmen, wenn der andere mal erschöpft ist.

Glücklicherweise ergänzen wir uns also mit unseren Stärken und Schwächen hervorragend. Louis ist sehr gut im Organisieren, im Verfolgen von Plänen, bei den tagtäglichen Aufgaben. Er kümmert sich akribisch um alles, was im Abenteuerleben fundamental wichtig ist. Ich hingegen bin vielleicht etwas weniger umsichtig bei diesen Aufgaben, lasse mich ablenken und ich bin nicht so akribisch. Außerdem kann ich sich ständig wiederholenden Aufgaben wie dem Abwasch wenig abgewinnen.

Auf der anderen Seite glaube ich, dass ich bei unvorhersehbaren Ereignissen meinen Mann stehe. Bei allem Unplanmäßigem etwa, bei Stürmen, Kälte, wenn wir in schwierigen Situationen die Oberhand behalten müssen.

Faltboot GRAND RAID II 540-4
Nautiraid Grand Raid II: Das Boot, das über den Yukon soll.

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Kannst Du Eure geplante Rollenverteilung denn mal auf einen Nenner bringen?

Quentin: Falls und wenn wir das Yukon-Abenteuer meistern, werden wir vermutlich sagen: „Ohne Louis hätte es diese Expedition niemals gegeben. Und ohne Quentin hätten wir sie niemals gemeistert.“

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Und was für ein Boot soll Euch drei Monate sicher bis nach Emmonak bringen?

Quentin: Wir haben die verschiedensten Kajaks in Ruhe verglichen. Klar war jedoch, dass unser Boot faltbar oder aufblasbar sei muss, um am Ende in den Flieger zu passen. Wir wollten es auch nicht erst in Whitehorse kaufen, um schon im Vorfeld ein Gefühl für die Beladungsmöglichkeiten und das Handling auf dem Wasser bekommen zu können. Entschieden haben wir uns am Ende für ein Nautiraid Grand Raid II mit einer Länge von 5,40 Metern. Es handelt sich um ein Kajak mit einem hölzernen Grundgerüst, das man im Fall der Fälle reparieren kann. DerBootskörper besteht aus sogenanntem Hypalon aus natürlichem und extrem stabilem Kautschuk. Das Nautiraid Grand Raid II liegt auch bei voller Beladung sehr sicher auf dem Wasser.

Nautiraid ist ein renommierter französischer Hersteller. Die Kajaks sind alle „Made in France“ aus hochwertigem Material und aus unserer Sicht von unglaublicher Verarbeitungsqualität. Die Firma rüstet auch französische Spezialkräfte und die meisten maritimen Expeditionen aus.

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Ihr habt ja für die Vorbereitung einen Monat im arktischen Teil Norwegens verbracht. Wie war das?

Quentin: Um für den Yukon gerüstet zu sein, wollten wir einen Monat unter ähnlichen Bedingungen paddeln. Wir haben also nach einem Ort mit ähnlichem Wetter gesucht. Er sollte abgeschieden sein von der Welt, aber möglichst nah an Europa und per Zug oder Billigflieger zu erreichen.

Also haben wir nach Flüssen von etwa 1000 Kilometern Länge in Ländern recherchiert, in denen es kalt genug ist. Wegen einiger Empfehlungen und der Perspektive auf atemberaubende Aussichten fiel unsere Entscheidung auf die Lofoten. 26 Tage im Juli und August haben wir dort verbracht, sind am Flughafen von Narvik gelandet. Beginnend im Süden, haben wir dann das Archipel umrundet. Und haben immer versucht, genug Lebensmittel an Bord zu haben und alle Dörfer zu umgehen.

In Norwegen kamen wir viel langsamer voran als gedacht.

In Norwegen haben wir wirklich viel erlebt, darunter auch viele Überraschungen. Zum einen mussten wir feststellen, dass wir wegen der Gezeiten, der Strömung und der Wellen viel langsamer vorankamen als gedacht. Mehr als 35 Kilometer haben wir nie geschafft, das Minimum pro Tag lag bei fünf Kilometern und im Schnitt lagen wir bei 25. Zum zweiten war das Wetter wie gemacht für eine realitätsnahe Yukon-Erprobung. Die ersten zehn Tage waren sehr sonnig, wurden jedoch von extrem windigen, regnerischen und kalten Tagen abgelöst. Am landschaftlich schönsten Abschnitt herrschte dann wieder wunderbares Wetter, während anschließend eine Höllenwoche mit Kälte und Regen folgte.

Schlussendlich haben wir eine Menge über unser Boot gelernt, über richtiges Zeitmanagement, über die beste Ausrüstung für schlechtes Wetter. Und am wichtigsten über die geeignete Ernährung auf einem derart langen Trip. So lernten wir den Wert von Schokolade zur Aufbesserung der eigenen Laune zu schätzen. Ein Stück davon zu essen, war für uns immer der beste Moment des Tages.

Lofoten: Trainings-Tour mit spektakulären Aussichten.

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Wie denken eigentlich Freunde und Familie über Eure „Tour de Yukon 2018“?

Quentin: Insgesamt blicken sie mit Stolz und Respekt auf ein derart ambitioniertes und gewagtes Projekt. Und weil wir noch recht jung und noch Studenten sind, haben unsere Eltern auch das Recht, bei dem Thema ein Wörtchen mitzureden.

Sie sorgen sich natürlich wegen der Abgeschiedenheit, vor dem Verletzungsrisiko, vor einer Bärenattacke und ähnlichem. Aber dies hat sich glücklicherweise etwas gelegt seit unserer Expedition in Norwegen. Es macht allen Beteiligten Mut, wie akribisch wir uns auf die Yukon-Expedition vorbereiten. Um es auf den Punkt zu bringen: Alle wissen, dass dies kein Remake des Films „Into the Wild“ wird (Anmerkung: darin geht es um einen Amerikaner, der in Alaska die Freiheit sucht und schließlich den Tod findet). Außerdem haben wir ja ein Rückflugticket…

Familie und Freunde unterstützen uns nach Kräften. Wir wollen das zurückgeben, indem wir während unserer drei Yukon-Monate von uns hören lassen.

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Wie können wir denn ab Juni Euren Fortschritt auf dem Yukon verfolgen?

Quentin: Es ist uns ein Bedürfnis, die Welt an unseren Erfahrungen und unserem Wohlergehen teilhaben zu lassen. Dennoch haben wir uns bewusst dafür entschieden, die Yukon-Zeit mit Haut und Haaren aufzusaugen und unser normales Leben hinter uns zu lassen. Unser Ansatz wird deswegen ähnlich dem Eurigen sein. Und etwa aus einem Satellitentelefon bestehen, mit dem wir kurze Nachrichten versenden und ab und zu ein Telefonat absetzen können. Darüber hinaus haben wir einen GPS-Tracker.

Diese Expedition soll auch eine spirituelle Reise werden.

Die meisten Neuigkeiten wird unsere Familie auf unserer Facebook-Seite posten. Falls wir mal Strom und Internet entlang des Flusses haben sollten, sind vielleicht auch ein oder zwei Fotos drin. Ein internetfähiges Gerät werden wir jedoch aus Kostengründen nicht mitnehmen. Außerdem sind wir in punkto Energie weitestgehend abhängig von unserer Solar-Anlage. Und geladene Kamerabatterien sind uns am allerwichtigsten.

Quentin und Louis.

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Nehmt Ihr eigentlich ein Maskottchen oder einen besonderen Ausrüstungsgegenstand mit?

Quentin: In den letzten zwei Jahren haben wir eine enge Verbindung zu unserem Kajak aufgebaut. Wir haben es auf den Namen „Emmonak“ getauft – dem Dörfchen an der Beringsee, das nach mehr als 3000 Kilometern am Ende unserer Tour stehen soll. Uns erschien es als gelungener Name für ein Boot und es erinnert uns immer an unser Expeditionsziel Emmonak! Und vielleicht nehmen wir auch noch einen Teddybären oder etwas typisch Französisches mit.

Wir sind jung und haben unser Leben noch vor uns. Diese Tour wird uns sicher prägen und uns die Gelegenheit geben, über das Leben nachzudenken. Diese Expedition soll auch eine Art spirituelle Reise werden. Deswegen werden wir unser Kajak auch nicht besteigen, ohne zahlreiche Bücher und inspirierende Texte dabei zu haben. Und natürlich Notizbücher, um die Reise, unsere Erfahrungen, Gedanken und Gespräche festzuhalten.

Louis wird außerdem seine Kamera sehr wichtig sein, um wertvolle Momente für die Nachwelt festzuhalten. Ich selbst werde meine Mundharmonika mitnehmen und fleißig üben. Das Instrument könnte auch nützlich dabei sein, um die Routine aufzubrechen und die Stimmung im Camp aufzuhellen.

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Was sind denn jetzt Eure wichtigsten nächsten Schritte bei der Vorbereitung?

Quentin:Unsere Hauptsorge ist das liebe Geld. Wir sind schließlich Studenten – und diese Expedition ist und bleibt und wird sehr teuer. Wir müssen noch reichlich Ausrüstung kaufen. Beispielsweise Trockenanzüge und bessere Kleidung, das Satelliten-Telefon, bessere Paddel, viele kleinere Dinge. Außerdem brauchen wir natürlich auch noch einiges an Geld, um unterwegs Lebensmittel erwerben zu können. Oder am Ende für den Flug von Emmonak nach Anchorage. Wir haben uns für verschiedene Abenteuer-Stipendien beworben und werden darüber wahrscheinlich 3000 Euro erhalten. Aber das erfahren wir erst in Mai.

Außerdem müssen wir uns noch um die Formalitäten bei der Ein- und Ausfuhr einer Waffe kümmern. Wir müssen noch ein spezielles medizinisches Survival-Training absolvieren. Und manches mehr.

Quentin und Louis: Gestern Pfadfinder, bald auf dem Yukon.

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Zum Ende des Gesprächs hin: Was für Hoffnungen, Träume und Befürchtungen habt Ihr mit Blick auf Euer Abenteuer?

Quentin: Hoffnungen: Mit der Vorbereitung rechtzeitig fertig zu werden, so dass wir mit dem bestmöglichen Equipment auf den Fluss gehen können. Außerdem zumindest am Anfang gutes Wetter, um gut gelaunt beginnen zu können und in Ruhe einen Rhythmus entwickeln zu können.

Ängste: Wir fürchten uns vor allem, was unsere Reise ernsthaft gefährden würde. Wie Verletzungen, Krankheiten, Verlust oder Zerstörung unserer Ausrüstung. Außerdem sorgen wir uns vor unerfreulichen Begegnungen mit Bären und vor langanhaltendem extrem schlechtem Wetter.

Träume: Zu lange schon haben wir jetzt nur auf Fotos geguckt. Wir freuen uns jetzt auf den tatsächlichen Anblick von Bären und anderen wilden Tieren. Wir sind gespannt auf all das, was man nicht planen kann und was eine solche Tour so einzigartig macht: Netten Leuten auf dem Fluss begegnen, Fische zu fangen, gut zu essen. Wir sind insgesamt schon sehr aufgeregt und freuen uns, diese unglaubliche Wildnis zu entdecken.

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Wie aufgeregt seid ihr beiden denn inzwischen, auf einer Skala von 1 bis 10?

Quentin: Definitiv 10! Und je näher wir kommen, desto mehr steigt die Anspannung. Wir reden schließlich schon so so lange über diese Reise. Gleichzeitig wächst die Sorge, ob wir bei der Vorbereitung an alles gedacht haben. Aber ich schätze: Sobald wir im Flugzeug sitzen, wird diese Sorge verfliegen.



Louis, 21, studiert BWL in Lyon (Frankreich). Er liebt Rugby, Trekking und Wandern. Außerdem hat er in den vergangenen Jahren zusammen mit Quentin diverse Erfahrungen im Wassersport gesammelt: zwei Wochen auf der Loire und einen knappen Monat im arktischen Norwegen.

Quentin, 21, ist Franko-Amerikaner und studiert französisch-amerikanisches Recht nahe Paris, zuvor in Glasgow. Er liebt Sport aller Art, darunter Bergsteigen, Skifahren, Rugby. Ihre französische Facebook-Seite zu Yukon 2018 findet Ihr hier.

Wir haben dieses Interview auf englisch geführt, anschließend sinngemäß übersetzt und etwas geglättet. Das Original findet Ihr hier als PDF.

ALLE FOTOS: À TOI DE RAMER

 

 

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Die boot 2015 in Düsseldorf: Eine kleine Messe-Nachlese

Was ist der Anlaufpunkt schlechthin für den Wassersport in Deutschland? Natürlich die „boot“ in Düsseldorf. Vergangenes Wochenende haben wir uns dort acht Stunden lang umgesehen. Angesichts der 17 Hallen und 1.741 Aussteller war es kein leichtes Unterfangen, dort für unsere Yukon-Tour an alle richtigen Ansprechpartner und Informationen zu kommen. Hier einige spannende Schnipsel als Messe-Nachlese, womit wir uns beschäftigt und wen wir getroffen haben.

Gelbe Schwimmleinen

Eine Schwimmleine ist eine Leine, die schwimmt. Soweit nicht überraschend. Wir sind aber überzeugt, dass wir mit jeweils 15 Metern längere Leinen als unsere bisherigen brauchen, um unser Boot bei schwierigeren Bedingungen festmachen zu können. Beispielsweise dann, wenn der nächste Baum oder Stein weit weg ist. Falls wir kentern sollten, können wir die Schwimmleinen außerdem besser greifen und das Boot ans Ufer ziehen.

Mit Holzboot über den Yukon

Im vergangenen Jahr haben wir sie kennengelernt, jetzt waren sie erneut da: Manfred Schröter und Joachim Kreuzer. Die beiden haben mit ihrem „New Historical Adventure“ ein Wahnsinns-Abenteuer hinter sich: Sie sind mit einem selbstkonstruierten Holzboot und in Pelzhändler-Kluft über den Yukon gefahren (wir haben im April schon einmal darüber geschrieben). Es war toll, die beiden wiederzutreffen. Und nebenbei haben wir uns über viele praktische Dinge ausgetauscht.

Außerdem haben wir die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen, das Aufnahmegerät zu zücken und mit den beiden ein Gespräch zu führen. Über ihre Erlebnisse, die Höhepunkte der Tour und vieles mehr. Hört mal rein – und entschuldigt die optimierbare Tonqualität, die Messehalle war voll und laut. 🙂

Survival-Kit

Dass wir unser Satellitengerät Inreach Explorer immer am Mann und in der Rettungsweste haben wollen, ist sowieso klar. Nun haben wir unseren Plan noch erweitert: In den großen Taschen unserer Palm Kaikoura-Westen sollte auch immer ein Kit zum Entzünden eines Lagerfeuers sein. Denn wenn wir wirklich einmal ausgekühlt sein sollten, ist schnelle Wärme wünschenswert und notwendig. Darüber hinaus wollen wir eine kleine wasserdichte Kiste mit dem Notwendigsten packen. So haben wir im Fall der Fälle zumindest den Reisepass mit dem hart erkämpften Visum, die Flugtickets und ähnliches bei uns.

Titan-Töpfe

Wegen der durchschnittlichen Beladungsmöglichkeit unseres Grabner Riverstar versuchen wir, an jeder Ecke an Gewicht zu sparen. Gusseiserne Töpfe schieden deswegen von vornhinein aus. Und da Aluminium alzheimerauslösend sein soll, wollten wir damit bei so vielen Kochvorgängen auch nicht in die Wertung gehen. Am Ende blieben Titan-Töpfe übrig, die wir schließlich nicht auf der Messe, sondern bei Amazon gekauft haben. Der 5,8-Liter-Topf von Evernew kostet schlanke 160 Euro plus 30 Euro Zollgebühren, hat uns aber überzeugt. Vom Lagerfeuer-Test haben wir direkt ein kurzes Video gemacht. PS: Der Topf muss immer von Flammen umgeben sein, sonst wartet man sich einen Wolf…

Action-Kameras

Dass wir unsere Yukon-Tour angemessen dokumentieren wollen, dürftet Ihr anhand der Existenz dieses Blogs bemerkt haben. Auf der boot waren nun mehrere Action-Cam-Hersteller vertreten, darunter GoPro und Rollei. Insgesamt waren wir von der Halle mit der „Water Pixel World“ aber enttäuscht, da sie auf wenige Stände beschränkt war. Inhaltlich überzeugt hat uns GoPro, die mit ihrer aktuellen Cam-Version Hero 4 vor Ort waren. Full HD, tolle Bilder, wasserdicht, Floater, verschiedene Befestigungssysteme und eine hervorragende Beratung. Am Ende wird es jetzt aber wohl doch eine andere Action-Cam werden, dazu bald mehr.

Ausrüstung für Regen

Natürlich haben wir auch beim Essener Bootsspezialisten Zölzer vorbeigeschaut. Immerhin sind deren Mannen in diesen Tagen dabei, uns Persenning und Spritzschutzdecken für unser Grabner-Boot hoffentlich liebevoll anzufertigen. Wir haben auch gleich noch Hallo gesagt zu Firmengründer Heinz Zölzer. Außerdem haben wir dort unter anderem Neopren-Handschuhe sowie quietschbunte Südwester für stark anhaltenden Regen gekauft. Erfreuliche Bilanz: die Ausrüstung komplettiert sich so langsam.

+++ Unser Messe-Fazit der boot 2015 +++

Zahlen des Tages:

11.234 gemachte Schritte auf dem Messegelände (laut iPhone-Messung). 10,36 Euro für Haribo-Frösche, süße Himbeeren und Schokoladenstückchen. 1 leckeren Kaffee am Stand von Manfred und Joachim.

Fehler des Tages:

Wie schon im Vorjahr kaum etwas zu essen und zu trinken eingepackt zu haben. Und dann vor lauter interessanten Gesprächen wieder völlig zu dehydrieren. Danke an die Raststätte bei Köln für die nächtliche Aufpäppelung…

Offene Frage des Tages:

Wieso bezahlt man satte 20 Euro Eintritt für eine Messe, bei der es vor allem um den Verkauf von Produkten geht?

Beantwortete offene Frage des Tages:

Weil man nirgendwo sonst auf so engem Raum eine so unfassbare Vielzahl an Informationen, Ausrüstungsteilen und Ansprechpartnern findet.

FOTOS: YUKON2015.DE (1), BOOT DÜSSELDORF (1)

 

 

Weiterführende Links:

 

Last week, we paid a visit to the world’s largest boat trade fair based in Duesseldorf. We had numerous aspects on our To-do lists such as fish hooks, neoprene gloves, swimming boat ropes, rain gear and action cams. The day at the „boot“ was a full success as there is probably no place one earth where you can find so many exhibitors and so many different water sports related topics. We bought some pieces of equipment and also stopped by on this day at some shops and spoke to people we already know. You can find the website of the boot trade fair here, if you like.


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Interview: Eine Schweizer Familie auf den Spuren der Karibus

Sie planen eine Tour, die nicht alltäglich ist. Eine Schweizer Familie will in diesem Sommer vier Monate lang mit dem Kanu durch Kanada und Alaska paddeln. Sie ist auf den Spuren der Karibus, den nordamerikanischen Vertretern der Rentiere. Vielleicht ist es für Oliver und Andrea die Reise ihres Lebens, die sie mit ihrem dreijährigen Sohn Flurin antreten wollen. Ein äußerst spannendes Projekt, denken wir. Und um Euch daran teilhaben zu lassen, haben wir mit Oliver mal ein Interview geführt.

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Du willst Dich mit Frau und Kind auf eine Kanu-Tour zu den Karibus begeben. Was genau habt Ihr vor in diesem Sommer?

Oliver: Das Motto unsere Reise lautet „Umiartortok Tuktu“. In der Sprache der Inuit bedeutet das frei übersetzt „Im Kanu zu den Karibus“, und das trifft es sehr gut. Wir starten im Juni in Whitehorse auf dem Yukon und werden mehrere Flüsse in Kanada und Alaska befahren. Am Schluss wollen wir bis an die Mündung ins Beringmeer kommen, in westlicher Richtung durch die herbstliche Tundra inmitten der Wanderrouten der Karibus.

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Warum eigentlich ausgerechnet die Karibus? Auf der Welt lebt ja eine Vielzahl von anderen Tieren…

Oliver: Am Anfang stand die Lektüre eines Artikels in der Geo, über die letzte große Tierwanderung unserer Erde. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mit meiner Frau allerdings noch nicht intensiv über Alaska nachgedacht. Unsere Outdoor-Touren haben uns da meist auf langen Trekkings in die Berge in der Schweiz und rund um die Welt geführt. Doch mit der Geburt unseres Sohnes Flurin wurde die Karibu-Idee wieder aktuell.


 

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Kannst Du das näher erläutern? Wieso Kind gleich Karibu, Ihr hättet ja auch einige Zeit pausieren können.

Oliver: Wie bisher in die Berge steigen, wie wir es wollten, war mit einem Kleinkind jedenfalls schlicht und ergreifend nicht mehr möglich. Wir hatten zwar bis dato überhaupt keine Ahnung vom Wassersport und Booten. Aber ein Kanu erschien uns als wunderbare Lösung, mit einem Kind auf Reisen zu gehen. Denn eines wollten wir eben nicht: Ab jetzt alle unsere spannenden Reisen und Touren aufgeben. Und so haben wir die letzten drei Jahre für unsere Kanada-Alaska-Karibu-Tour gelernt, trainiert, getüftelt und gebastelt.

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Kommen wir konkret zum bevorstehenden Trip. Was sagt denn eigentlich Euer Sohn zu den Plänen?

Oliver: Wir sprechen viel mit ihm über die „große Reise“. Er freut sich riesig auf die Bären, sagt er. Er sitze dann auf Papas Schultern und sei dann sicher… Er freut sich auch, wie er sagt, „uf d’Indianer“. Mittlerweile weiß er allerdings auch, dass diese heute nicht mehr so leben wie in seinem Yakari-Comic-Buch über Indianer beschrieben. Mit dem Kanufahren und dem Tipi-Leben ist er aufgewachsen, selbstverständlich findet er das nun toll. Schon allein, weil Vater und Mutter dann immer ganz nahe sind.

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Im Sommer wird Euer Flurin 3 1/2 Jahre alt sein. Habt Ihr eigentlich keine Bedenken, ein kleines Kind auf eine große Tour mitzunehmen?

Oliver: Für Kinder ist eine solche Reise kein Problem. Sind sie warm, gefüttert und die Eltern immer in der Nähe, dann ist ihre Welt in Ordnung. Und wenn es dann noch Tiere hat, wird es doch besser als jedes Bilderbuch und Fernsehprogramm dieser Welt… Vor hundert Jahren waren solche Reisen in Alaska mit Kind und Kegel übrigens alltäglich. Wir gehen da mit Menschenverstand, Erfahrung und Respekt vor der Natur ran. Und mit dem Inreach Explorer haben wir – wie Ihr ja auch – sogar anders als früher eine Verbindung zur Außenwelt, etwa zu unserem Hausarzt.

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In gut vier Monaten soll es dann tatsächlich losgehen. Wie ist denn der Stand Eurer Vorbereitungen?

Oliver: Die wichtigsten Dinge sind geplant und nahezu abgeschlossen. Als Perfektionist ist man aber nie ganz fertig… Herausforderungen sehen wir aktuell eher im „Ausstieg“ aus dem Alltag und den notwendigen Lösungen im Job, mit dem Haus und ähnlichem.

 

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Zum Schluss vielleicht ein paar persönliche Worte: Worauf freut Ihr Euch am meisten auf der Karibu-Tour, was erhofft Ihr Euch?

Oliver: Wir freuen uns auf eine ganz intensive Zeit als Familie. Alleine auf uns gestellt zu sein in der Natur, diese Erfahrungen haben wir schon in der Vergangenheit immer wieder als großartig erlebt. Dass es nun gleich vier Monate sind, ist natürlich etwas besonders. Verglichen mit den Reisen der ersten Bewohner des Nordens ist unsere Tour mit den heutigen Möglichkeiten aber eigentlich doch wieder nichts Besonderes. Vielleicht können wir aber mit dem, was wir auf diese Weise mit ganz einfachen Mitteln erfahren, deren Leistungen ein wenig „nacherleben“.

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Und was wird wohl der berühmte magische Moment Eurer sommerlichen Tour durch Nordamerika?

Oliver: Da träumen wir davon, am Noatak River Gruppen von Karibus im Fluss schwimmen zu sehen. Dies vor einer herbstlich verfärbten Tundra, gefolgt von einer Nacht mit Polarlichtern. Und dann wird nicht nur der Fotograf schwelgen.
FOTOS: O. AMANN (4), US FWS PUBLIC DOMAIN (1)

 

ZUR PERSON: Oliver (44), Andrea (40) und Flurin (3) wohnen in Basel in der Schweiz. Seit jeher sind sie gerne in der Natur aktiv, so beispielsweise in der Wüste im südlichen Afrika, auf dem Eis in Patagonien oder in den Höhen der Anden. Bis heute steigen sie gerne auf Berge (Klettern, Hochtouren, Skitouren) und sind natürlich auf Flüssen unterwegs. Kontakt: oliver.amann -at- bluemail -punkt- ch


 

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Linktipp: Die Eroberung der Nordwest-Passage

Ich habe das immer wie ein Schachspiel empfunden. Man fährt hinein und eröffnet damit das Spiel. Und die Natur, die Passage macht dann den nächsten Zug. Hoffentlich ist man ein genügend guter Schachspieler, um auf der anderen Seite anzukommen. Denn wenn man ein schlechter Schachspieler ist, dann verliert man. Und man kann eine ganze Menge verlieren.

ARVED FUCHS, ABENTEURER

Dies ist ein Seeweg, der einem schon wegen seiner schieren Länge von 6000 Kilometern den Atem raubt. Ein Seeweg, der bis heute große Gefahren mit sich bringt, aus denen Heldengeschichten werden. Es geht um die Nordwest-Passage, die jetzt in einer empfehlenswerten Filmserie auf Arte (Mediathek) über das Polarmeer und die Arktis vorgestellt wird. Auch wenn wir selbst 2015 auf dem Yukon deutlich südlicher unterwegs sein werden und unser Unterfangen eine ganz andere Dimension hat, so wird in die Faszination dieses Kontinents in jeder Aufnahme deutlich.

Die Dokumentation begleitet etwa den schwedischen Segler Dax, der um das europäische Nordkap herum um die Nordküste von Amerika einen Seeweg nach Asien zu erreichen versucht. Und sie spürt den Expeditionen von John Franklin und Roald Amundsen nach, die vor vielen Jahrzehnten als Entdecker in die Geschichtsbücher eingehen wollten. Noch bis Nikolaus ist war der 90-minütige Film in der Arte-Mediathek verfügbar, eine Serie soll folgen.

Auch Abenteurer Arved Fuchs kommt in der Reportage auf Arte zu Wort. Packend berichtet er da beispielsweise von seinen zahlreichen Expeditionen und ihren Herausforderungen, und was man daraus lernen kann. Und eben auch davon, wieso seine eigene Fahrt durch die Nordwest-Passage sehr viel mit einem Schachspiel zu tun hatte.
FOTO: POLAR SEA 360/ARTE/ZDF

 
 
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Mit Kanonen über den Yukon

Ihr dürft es gerne ambitioniert nennen, wenn wir mit unserem Kajak 3200 Kilometer über den Yukon paddeln wollen. Aber wie würdet Ihr es dann erst bezeichnen, dieselbe Tour in einem hölzernen Yorkboot und als Pelzhändler verkleidet anzugehen? Wir jedenfalls würden es nennen: hinreißend, verrückt, mutig und spannend. Und die beiden, die genau dieses Vorhaben in wenigen Tagen angehen werden, würden diesen Zuschreibungen wahrscheinlich nicht einmal widersprechen.

Wir haben Manfred und Joachim zufällig auf der Bootsmesse in Düsseldorf kennengelernt. Irgendwo, zwischen millionenteuren Motoryachten und Hightech-Rettungswesten, tauchte da in Halle 15 plötzlich dieses Holzboot auf, ein Schwesterboot des Yukon-Gefährts. Schiffstaue, Segel und Felle. Und davor ein enthusiastischer Manfred Schröter, der beredt über das geplante Abenteuer berichteten konnte.

Es sind die Spuren der legendären North West Company, auf die er sich gemeinsam mit Joachim Kreuzer auf dem Yukon begeben wird. Einer Handelskompanie, die Ende des 18. Jahrhunderts Pelzhandel betrieb und von Montréal aus die westlichen Gefilde erkundete. Jahrelang haben die beiden Rheinländer an einem Boot nach historischem Vorbild gebaut; es hat jetzt eine Länge von 6,70 Meter und sieht wahrhaft majestätisch aus. Ein Rahsegel sorgt bei der Confiance bei Wind für etwas Schub, doch genau so kommt es auf die Muskelkraft an. Und: Es ist sogar eine Kanone an Bord, der Tradition, des „New Historical Adventure“ wegen.

Im letzten Jahr noch mussten die beiden ihre Tour wegen widriger Wetterbedingungen unterbrechen, doch in wenigen Tagen starten sie ihren zweiten Anlauf. Für dieses im doppelten Wortsinne historische Projekt. „Sehr schön, dass es wirklich noch mehr Bekloppte gibt, die nicht nur davon reden“, schrieb uns Manfred wenige Tage vor seiner Abreise. Das erfreut und ermutigt uns, doch jetzt ist erstmal die Confiance an der Reihe.

Wenn das Yorkboot in Kürze mitsamt Galionsfigur wieder den Yukon durchpflügt, wenn die Riemen knarzen und der Wind an den Kopftüchern vorbeistreicht, werden wir aus der Ferne gespannt den Blog der beiden Abenteurer verfolgen. Und wir sind uns sicher: Es wird hinreißend, verrückt, mutig und spannend.

Alles Gute, Männer!

 

FOTOS: NEW HISTORICAL ADVENTURE MIT FREUNDLICHER ERLAUBNIS

 
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